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Mobilisierung der Gemüsearbeiter

An der andalusischen Küste ruft auch Podemos zur Demonstration

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In den andalusischen Gemüsegemeinden leben bis zu 40 Prozent Migranten. Seitdem in Spanien die Arbeitslosigkeit auf über 20 Prozent geklettert ist, kommen Einheimische wieder in Tagelöhnerjobs zurück, die jahrelang Migranten, meist Afrikanern und Afrikanerinnen, überlassen worden waren. Entsprechend gibt es Spannungen zwischen den einheimischen und den zugewanderten Communities. In den andalusischen Gemüsefeldern, wegen ihrer flächendeckenden Überdachung auch Plastikmeere genannt, erhalten die Landarbeiter nur selten den spanischen Mindestlohn von 46 Euro am Tag. Meist sind es weniger.

Spitou Mendy und die Kollegen von der Gewerkschaft der Feld- und Landarbeiter Andalusiens (SOC) hielten in den vergangenen Wochen fast täglich Kundgebungen in einer der südspanischen Gemüsegemeinden ab, um die Landarbeiter und -arbeiterinnen für den 1. Mai zu mobilisieren. In Nijar, San Isidro und La Majonera gingen sie in die größeren Einkaufsstraßen, dort wo Cafés und Bars sind, und suchten das Gespräch mit den Gemüsearbeitern nach deren Feierabend. Mendy erklärt: »Wir müssen dorthin gehen, wo sich die Arbeiter aufhalten. Besonders viele Gemüsefelder gibt es um die Hafenstadt Roquetas del Mar. Deswegen organisieren wir dort die 1. Mai-Demo.«

Die in Andalusien zu SOC-SAT fusionierte Gewerkschaft - SOC organisiert die Landarbeiter und -arbeiterinnen, SAT die anderen Berufsgruppen - ist eine äußerst kämpferische Gruppe. »Unsere Forderungen sind radikal. Die Unternehmer mögen uns nicht hier in der Gegend«, so Mendy.

Zu diesen Unternehmern zählt sicher die Gemüseverpackungsfirma Biosol. Sechs Arbeiterinnen aus der Firma waren im Lokal der SOC wegen ihrer ungerechtfertigten Entlassungen in den Hungerstreik getreten. Sie hatten in einer Dokumentation des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte Interviews zu ihren Arbeitsbedingungen gegeben. Im Oktober vergangenen Jahres entschied ein Gericht, dass Biosol die Frauen aus Marokko wieder einstellen muss. Das Gericht begründete die Entscheidung mit dem Recht auf Meinungs- und Organisationsfreiheit. Die Arbeiterinnen hatten über ein Jahr gegen ihre Entlassungen gekämpft.

Ein großes Thema für die Gewerkschaft sind auch die häufigen Räumungen von Landarbeitersiedlungen. SOC-SAT stellt sich dabei konsequent dagegen.

Der SOC-Sprecher Spitou Mendy ist im Senegal aufgewachsen und hat selbst sechs Jahre in den Gewächshäusern rund um die Stadt Almería gearbeitet. Er hofft auf 3000 Teilnehmer bei der 1. Mai-Demo in Roquetas, zu der übrigens auch Podemos aufruft. Ob sich die Massen der Arbeiter auf die Straße wagen, um dort für besseren Lohn einzutreten, ist ungewiss. Viele sind ohne gültige Aufenthaltspapiere in Spanien. Ihr Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit zählt nicht viel, so birgt die Teilnahme an einer Demo für sie ein gewisses Risiko.

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