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Irak: Viele Tote bei Serie von Anschlägen in Bagdad

Drei Anschläge in irakischer Hauptstadt / Mindestens 25 Menschen sind ums Leben gekommen / IS bekennt sich in einer Erklärung

Wieder sind viele Menschen bei mehreren Selbstmordanschlägen in Irak gestorben. Die Taten ereignen sich inmitten einer tiefen Krise, in der das politische System des Landes seit einiger Zeit steckt.

Bagdad. Bei drei Anschlägen in Iraks Hauptstadt Bagdad sind mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Allein in dem Stadtteil Saidija im Süden Bagdads starben am Montag 22 Menschen, als sich ein Selbstmordattentäter mit einem Wagen in die Luft sprengte, wie die lokale Polizei mitteilte. Bei den Opfern handelt es sich demnach um schiitische Besucher einer religiösen Gedenkfeier. Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich in einer über das Internet verbreiteten Erklärung zu dem Anschlag.

Bei zwei weiteren Explosionen in anderen Stadtteilen starben der Polizei zufolge drei Menschen. Erst am Wochenende waren in Irak bei zwei Anschlägen des IS auf Schiiten Dutzenden Menschen ermordet worden. Die Extremisten verüben regelmäßig Anschläge in Irak.

Die neuen Attentate treffen das Land inmitten einer schweren politischen Krise. Am Wochenende hatten aufgebrachte Anhänger des schiitischen Predigers Muktada al-Sadr die Hochsicherheitszone und das Parlament in Bagdad gestürmt. Sie fordern Reformen und einen schärferen Kampf gegen die weit verbreitete Korruption.

Tausende wütende Anhänger des Schiitenpredigers Muktada al-Sadr stürmten am Samstag die hoch gesicherte Grüne Zone, wo das Parlament, Ministerien und Botschaften liegen, abgeschottet vom Rest der Stadt. Hunderte Demonstranten brachten das Abgeordnetenhaus über Stunden unter Kontrolle, Medien berichteten von Übergriffen auf Parlamentarier. Zurück blieben nicht nur Scherben und ramponiertes Mobiliar, sondern auch eine gelähmte Regierung.

Mit dem Sturm auf das Parlament erreichte eine Krise ihren Höhepunkt, die seit Monaten schwelt und die Politik in Bagdad blockiert. Im Vordergrund steht der Kampf gegen das Proporz- und Klientelsystem, das nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 durch die USA errichtet worden war. Es verteilt die Ministerien und Ämter in Bagdad auf die unterschiedlichen Gruppen und Parteien, was eigentlich im Sinne eines Machtgleichgewichts ist.

An die Spitze des Protests gegen dieses Klientelsystem hat sich mit dem schiitischen Prediger Muktada al-Sadr ausgerechnet eine der berüchtigsten politischen Figuren gesetzt. Der 42-Jährige befehligte einst die Mahdi-Armee, die die US-Truppen im Land mit Gewalt bekämpfte. Jetzt ruft er seine Anhänger seit Monaten regelmäßig zu Protesten für Reformen auf die Straße. Wie nur wenige kann er die Massen mobilisieren, die er unter den armen Schiiten findet, weshalb die Demonstrationen auch als sozialer Protest zu verstehen sind. dpa/nd

dpa/nd

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