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Den Robotern die Arbeit lassen

In Berlin und Rostock kämpfen glückliche Arbeitslose für das Recht auf Faulheit

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Einen Tag nach dem »Tag der Arbeit« findet traditionell der »Kampftag der Arbeitslosen« statt. Die Aktivisten wenden sich gegen die Diskriminierung von Erwerbslosigkeit und plädieren für einen neuen Arbeitsbegriff.

»Nie, nie, nie wieder Arbeit!« schallt es durch die Kastanienallee, Bauarbeiter auf einer Großbaustelle drehen sich amüsiert zu dem Demozug um. Einige der Demonstrierenden haben Bierflaschen in der Hand, andere haben sich Transparente mit »Arbeit kann tödlich sein« oder »Feierabend« auf den Rücken geklebt. Mittlerweile zum zwölften Mal demonstrieren in Berlin, »aber auch in Rostock und Rio de Janeiro«, wie Arne von den Surfpoeten und Mitveranstalter der Demo betont, Menschen für ein anderes Gesellschaftsmodell: Die Utopie einer Gesellschaft ohne Lohnarbeit.

Es gehe nicht darum, nur auf der faulen Haut zu liegen, betont er, »vielmehr geht es um eine andere Definition von Arbeit. Dafür muss Arbeit vom Lohn entkoppelt werden.« Jeder solle die Freiheit haben, das zu tun, wozu er Lust hat. »Man kann natürlich auch was tun. Manche basteln gerne oder machen Gartenarbeit, all das ist möglich«. Doch er sieht eine Fehlausrichtung der westlichen Gesellschaften.

Zum Beispiel werde vom Jobcenter gefördert, dass »Menschen in Betriebe eingestellt werden, die dort nicht gebraucht werden, um Produkte herzustellen, die keiner braucht.« Vielmehr solle man die Arbeit von Robotern verrichten lassen. »Mein Freund, der Roboter« sei Motto des Tages, sagt er. Funktionieren kann das natürlich nur, wenn eine Art Grundeinkommen eingeführt werde. Seit Paul Lafargue die »Arbeitssucht« kritisierte und 1880 das Heft »Das Recht auf Faulheit« verfasste, ist die Gegenideeeines von Lust und Selbstbestimmung geprägten (Arbeits-)Lebens in derWelt – als Antipode zu einer protestantischen Arbeitsethik, in derArbeit als moralische Pflicht angesehen wird.

In den 1950er Jahren gründete sich in Frankreich die Gruppe der Situationisten im Spannungsfeld von Kunst und Politik mit Slogans wie: »Arbeit? Niemals!« Sie propagierte das ziellose Umherflanieren zur eigenen Erweiterung des Horizonts. Die Berliner Gruppe der Glücklichen Arbeitslosen trat 1998 mit provokanten Texten für ein Leben ohne Arbeit ein. Überhaupt sei der Begirff der Arbeit ein trauriges Wort und durch »Tätigkeit« zu ersetzen.

Die Glücklichen Arbeitslosen weisen in ihrem Manifest auch auf eine betriebs- und volkswirtschaftliche Dimension hin. Viele Betriebe steigerten ihren Gewinn ja gerade dadurch, indem sie Leute entlassen. So müsse man dem »Arbeitslosen dafür danken, dass er wie kein anderer das Wachstum fördert«. Somit sei eine Lohnzahlung für Nicht-Arbeit nur gerecht .

Mit dem Konzept des Grundeinkommens haben die Aktivisten von heute nun eine Idee an der Hand, die dieser Utopie einen Hauch des Realisierbaren verleiht. Während in Österreich der Tag der Arbeitslosen mittlerweile auf den 30. April verlegt wurde, fand in Rostock nun zum sechsten Mal eine Veranstaltung statt. Steffen Wiechmann von den Organisatoren berichtete von einem Sit-in vor einem Supermarkt, bei dem zusammen Transparente gemalt wurden. Danach habe man das Gebet der Arbeitslosigkeit angestimmt. »Viele von uns saßen mit Kaltgetränken da, später haben wir auch den Grill angezündet. Denn: Es soll ja nicht in Arbeit ausarten!«

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