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Entspannung im Fahrradabteil

VBB-Pilotprojekt »Rad im Regio« verspricht bis Oktober vereinfachte Fahrradmitnahme

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Mit einem Pilotprojekt geht der Verkehrsverbund VBB auf das veränderte Ausflugsverhalten ein: Vier Regionallinien ins Berliner Umland bieten Radfahrern besser nutzbare Stellplätze in den Zügen.

Wer schon einmal an einem sonnigen Wochenende bei einen Fahrradausflug auf die Bahn angewiesen war, der weiß womöglich, wie sich Platzangst anfühlt. Die allzu knappe Mitnahmekapazität insbesondere auch im Regionalverkehr zwischen Berlin und seinem grünen Umland ist seit geraumer Zeit von Pendlern und genervten Ausflugstouristen, aber auch vom Allgemeinden Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und vom Bahnkundenverband immer wieder kritisiert worden.

Immer wieder war es zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen Personal und Reisenden sowie Gerangel um die wenigen Plätze gekommen, war Radfahrern auf Bahnsteigen der Zutritt zu den Zügen verwehrt worden. Doch nun kündigt sich eine erste Entspannung an.

Just vor Himmelfahrt hat der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) ein Pilotprojekt gestartet, das den Platz in Lastenabteilen der Züge des Regionalverkehrs für die Mitnahme von Fahrrädern zumindest besser nutzbar macht. Deutschlands größter Verkehrsverbund reagiert damit auf den veränderten Stellenwert des Fahrrades als umweltschonendes Verkehrsmittel und gesundheitsförderndes Freizeitinstrument. Mit von der Partie sind neben dem VBB die Deutsche Bahn Regio (DB Regio) Nordost, die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) und die Bahntochter DB Station&Service.

Getestet wird der Einsatz sogenannter fahrradfreundlicher Züge auf zunächst vier Regionalexpress-Linien, die zwischen Berlin und Orten in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern verkehren. Erste entsprechend markierte Züge sind bereits im Einsatz, am Ende sollen es insgesamt 35 Züge sein - 19 von der DB Regio und 16 von der Odeg. In den Multifunktionsabteilen im ersten und letzten Waggon soll durch blockierte oder ausgebaute Klappsitze gut nutzbarer Abstellraum für Fahrräder geschaffen werden, der dadurch zugleich - so das Kalkül - für Reisende ohne sperriges Gepäck weniger attraktiv wird. Der Versuch läuft von Mai bis Oktober. Danach werde ausgewertet, heißt es.

»Wir wollen es den Leuten ein bisschen einfacher machen, sich zu orientieren«, sagte VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel bei der Präsentation des Projekts in Berlin. Auch solle der stets »stressige Ein- und Ausstieg« erleichtert werden. Dazu sollen die betreffenden Zugabteile mit auffälligeren Symbolen gekennzeichnet werden. Auch innen weisen Aufkleber und Bodenmarkierungen auf den Vorrang für Radler hin - was im Konfliktfall zumindest als Argumentationshilfe dienen kann. Per App, im Internet oder auf Aushängen am Bahnsteig werde rechtzeitig über die Wagenfolge informiert. In Vitrinen der Pilotbahnhöfe Berlin-Gesundbrunnen und Lübbenau wurden »Fahrradtreffpunkte« ausgeschildert. Als Pilotstrecken wurden die Regionalexpresse RE 2, RE 3 und RE 5 in Richtung Ostsee sowie der RE 4 nach Rathenow und Stendal ausgewählt.

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) ist von dem Angebot angetan. »Das neue Konzept für die Wagen, aber auch die Wegweisung für Radfahrerinnen und Radfahrer auf den Bahnsteigen sind eine wesentliche Verbesserung für alle, die das Land Brandenburg mit dem Rad erkunden möchten«, erklärte sie. »Das Pilotprojekt gehört zu den attraktiven Angeboten im Öffentlichen Nahverkehr, mit dem wir den Umstieg vom Auto auf Bahn und Rad erleichtern wollen.«

Ob das Konzept dem steigenden Bedarf besser gewachsen ist, das ist allerdings nicht ausgemacht. Nach Recherchen der »Berliner Zeitung« wurden im VBB-Gesamtnetz 2015 rund 212 000 Fahrrad-Einzelfahrscheine sowie 52 000 Fahrrad-Tagestickets gelöst. Tendenz steigend. Dagegen können die im VBB organisierten Unternehmen, allen voran die Deutsche Bahn, ihre Mitnahmekapazitäten generell und zumal auf ausgewählten Einzelstrecken nur sehr bedingt steigern. Denn zum einen lassen die knappen Mittel der Länder Berlin und Brandenburg sowie der Kommunen kaum die Bestellung weiterer Züge im Regionalverkehr zu, zum anderen sind viele Bahnsteige schlicht nicht für längere Züge eingerichtet. Auch die vorgestellten Umbauten in den vorhandenen Zügen erweitern die maximale Mitnahmekapazität nicht, so dass in ohnehin gut ausgelasteten Zügen auch künftig Konflikte nicht auszuschließen sind.

Der VBB hat daher für das Pilotprojekt Angebote von 250 regionalen Fahrradverleihern in einer zentralen Datei (www.VBB.de/livekarte) zusammengeführt - entsprechende Flyer, die auf Verleihstationen im 1000-Meter-Umkreis von Bahnhöfen hinweisen, liegen auch in Zügen der Pilotlinien aus. Mit dem Regio zum Leihrad - so ginge es also auch.

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