Türkische Wissenschaftler erhalten Aachener Friedenspreis

Unterzeichner fordern Ende des Militäreinsatzes in den Kurdengebieten / Auch Bürgerinitiative Offene Heide in Sachsen-Anhalt wird ausgezeichnet

Aachen. Der Aachener Friedenspreis geht in diesem Jahr an eine Gruppe türkischer Wissenschaftler und die Bürgerinitiative Offene Heide in Sachsen-Anhalt. Das Komitee der »WissenschaftlerInnen für den Frieden« erhält die Auszeichnung für einen im Januar veröffentlichten Appell an die türkische Regierung, in dem die Unterzeichner ein Ende des Militäreinsatzes in den Kurdengebieten forderten, wie die Preisverleiher am Freitag in Aachen mitteilten.

In dem von fast 1200 türkischen Wissenschaftlern unterzeichneten Aufruf wird die Regierung aufgefordert, von den Sicherheitskräften verübte »vorsätzliche Massaker und Deportationen kurdischer und anderer Menschen« in den Kurdengebieten im Südosten der Türkei zu beenden und die Verhandlungen für den Friedensprozess wieder aufzunehmen.

Viele Unterzeichner waren in der Folge Repressalien und persönlichen Angriffen ausgesetzt. Es gab zahlreiche Festnahmen, Disziplinarverfahren und Anklagen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte die Unterzeichner »Verräter« und bezichtigte sie der Komplizenschaft mit »Terroristen« der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Das Komitee der Wissenschaftler werde mit dem Friedenspreis ausgezeichnet, »um seine verfolgten Unterzeichner zu unterstützen und zu helfen, eine Stärkung der Öffentlichkeit gegen die Kriegspolitik« zu erreichen, erklärten die Preisverleiher.

Mit der Bürgerinitiative Offene Heide wird zudem eine Gruppe von Aktivisten geehrt, die sich seit 1993 für eine zivile Nutzung des Truppenübungsplatzes Colbitz-Letzlinger Heide einsetzt, unter anderem mit monatlichen Friedenswegen und anderen Protestaktionen. Die »Beharrlichkeit und der Mut« der Bürgerinitiative in ihrem langjährigen Protest gegen Krieg, Militarisierung und Rüstung »verdienen Respekt und unsere Solidarität«, begründeten die Initiatoren ihre Entscheidung.

Die Colbitz-Letzlinger Heide nördlich von Magdeburg ist seit 1935 Übungsgelände für das Militär. Derzeit baut die Bundeswehr dort eine Übungsstadt namens »Schnöggersburg«, wo Soldaten möglichst realitätsnah für ihren Einsatz in Krisen- und Kriegsgebieten trainiert werden sollen.

Der Aachener Friedenspreis wurde 1988 von einem Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und Bürgergruppen ins Leben gerufen. Im Gegensatz zum Internationalen Aachener Karlspreis sollen mit der Auszeichnung Engagement und Zivilcourage von Menschen gewürdigt werden, die »von unten« für den Frieden arbeiten. Zu den früheren Preisträgern zählen die deutsche Schauspielerin Hanne Hiob und die Initiative Petersburger Soldatenmütter. Agenturen/nd

Im nd-Shop

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken