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Gewaltige Musik

Werke von Mendelssohn, Carl Philipp Emanuel Bach und Mozart mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums

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Lang ist die Tradition der ungebrochen beliebten Schlüterhof-Konzerte. Als sie zu DDR-Zeiten eingeführt wurden, musizierten dort die unterschiedlichsten Klangkörper, darunter das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Dirigenten damals: Rolf Kleinert, Helmut Koch, Robert Hanell, Heinz Rögner, Hans Peter Frank. Klassik erhielt den Vorzug. Heute gehört zu den hauptsächlichen Gästen das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (rsb). Falls vergessen: Das Museum mit dem Schlüterhof inmitten nannte sich damals noch »Museum für Deutsche Geschichte« und in der »Neuen Wache« daneben wurde den »Opfern von Faschismus und Militarismus« gedacht. Ein ehrenvolles Anliegen. Seit über 20 Jahren heißt es dort »Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft«, was alle Ungeheuerlichkeiten dieser Welt und keine von diesen einschließt.

Was das mit dem Konzert zu tun hat? Das hat mit Mozart zu tun. Denn Gewalt regiert auch bei Mozart, allerdings sehr konkret und durch die Optik der Aufklärung und des Freimaurertums gesehen, zu dem Mozart sich gesellte. Nicht nur in der Oper findet sie ihren Abdruck, auch in instrumentaler Musik. Seine »Prager Sinfonie«, Schlussstück des Konzerts im Schlüterhof am Sonntag, adaptiert nämlich Opernthemen oder nimmt sie vorweg. Das Adagio des 1. Satzes, die längste langsame Einleitung, die eine Mozart-Sinfonie hat, ist so dramatisch, dass man den Komtur, den »Steinernen Gast«, die Racheinstanz aus »Don Giovanni« herannahen zu hören glaubt, eine, die selber wie die ungeschlachten Klötzer im Steinbruch zerfällt.

Gewalt? Das ist jemand, der zu zerstören sucht, der über den in Morde verstrickten Giovanni Gericht zu halten gedenkt und selber Täter ist. Das folgende Allegro, so federleicht musiziert, als würde Firniss auf den Scheiben in der Kuppel des Hofes perlend sich ausbreiten, wendet die Dramatik ins verbindlich Heitere, Schöne, Erhebende, und was sonst noch für Vokabel sich verwenden ließen. Es inkarniert die Fröhlichkeit, das Lachen, die Natürlichkeit des Figaro. Der Presto-Schluss-Satz verstärkt das noch. Da ist die »Prager« mit den murmelnden Fagotten und plötzlich einfallenden Hörnern ganz in ihrem Element. Da stellt sich eine Durchführung den Ohren dar, wie sie im Widerspiel der Themenkomplexe erregender nicht sein kann. Bläser - und Streicherthemata verstricken sich ineinander, treten so eilfertig zusammen, wie sie wieder auseinander fallen. Ein in allen Taktperioden funkelnder, kurzweiliger, temposcharfer Satz bot sich den Hörern dar. Brandon Keith Brown, der junge US-amerikanische Dirigent, besorgte mit dem rsb eine spannende, makellose Wiedergabe des reichlich halbstündigen Stücks.

Den Reigen eröffnete eine Streichersinfonie von Felix Mendelssohn-Bartoldy, eine der vielen frühen Arbeiten aus der Feder des deutsch-jüdischen Komponisten. Dem übrigens auch Gewalt angetan wurde. Ab 1933 kam sein Name im Konzert- und sonstigen Leben nicht mehr vor. Und viele Klangkörper, die dabei mitgemacht haben, waren lange Zeit nicht imstande, auch nur einen Takt des viel zu früh gestorbenen Meisters aufzuführen. Die geheime Scham, auch die Feigheit vor dem Freund ging nach der Befreiung in »deutschen Landen« um. Die viersätzige, abwechseln langsame und schnelle Teile versammelnde 8. Streichersinfonie kam zu Gehör, geschaffen, als das Frühgenie 13 Jahre alt war. Mit einem schönen, wogenden, nicht übermäßig traurigen Adagio an zweiter Stelle, in dem nur die tiefen Streicher spielen. Ganz unverstellt testet der Bube über weite Strecken Bachsche Kontrapunktik. Die schnellen Sätzen führen viel Heiterkeit mit. Ein Stück, das in der rsb-Wiedergabe erleben zu dürfen, viel Freude bereitete.

Barockes Musikantentum hat seinen Ort in dem Cello-Konzert A-Dur, dem mittleren Stück des Abends, das Carl Philipp Emanuel Bach komponierte, nachdem sein Vater Johann Sebastian bereits drei Jahre tot war (1753). Wohl abgewogene, so energische wie fein abgestimmte Solo-Tutti-Ablösungen aller Orten. Die Solistin Marie-Elisabeth Hecker gab ihren Part bravourös. Und die rsb-Musikerinnen und -Musiker musizierten, als wäre die Zeit des Sturm und Drangs schon nahe, so sehr legten sie sich trotz der übermäßigen Halligkeit im Hof, welche gelegentlich störende diffuse Mischungen gerade bei diesem Stück hervorrief, ins Zeug.

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