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Neben dem »schwarzen Block«

Nach der Teilräumung erwägt das Hausprojekt in der Linienstraße 206 eine Klage

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Am Dienstagmorgen stürmten Polizisten ein ehemaliges besetztes Haus in Mitte und weckten damit die Bewohner. Zwei Zimmer wurden geräumt. Dagegen erwägt die Hausgemeinschaft eine Klage.

Zwischen Platte und Neubau steht in Mitte ein altes, denkmalgeschütztes Haus. Zwei Touristen auf Fahrrädern halten an der Ecke Kleine Rosenthaler Straße und Linienstraße an. Einer zückt sein Smartphone und fotografiert den langsam verfallenden Altbau in der Linienstraße 206. Ein riesiges gemaltes Spinnennetz ziert die Fassade, außerdem der berühmte Tucholsky-Satz »Soldaten sind Mörder«. Transparente verurteilen auf Englisch »Social Cleansing« (soziale Säuberung), damit auch die nicht deutschsprachige Reisegruppen, die regelmäßig vor den Haus Halt machen, wissen, worum es hier geht: Rund 15 Mieter wehren sich dagegen, ein weiteres Spekulationsobjekt auf teurem Mitte-Boden zu sein.

Das Haus wurde kurz nach der Wende 1990 besetzt. Die Besetzer steckten Energie und Geld in die Sanierung. Im Zuge der sogenannten »Berliner Linie« erhielten die Bewohner 1991 wie alle besetzten Häuser Mietverträge. Die gelten zum Teil noch immer, andere wurden im Laufe der Jahre erneuert. 2008 führten die Bewohner Kaufverhandlungen mit dem damaligen Eigentümer. Die verliefen im Sand, und stattdessen wurde das Haus 2010 an Bernd-Ullrich Lippert und Frank Wadler verkauft, einem Gartenbauunternehmer und einem Steuerberater.

»Aus meiner Sicht war das ein schlechtes Geschäft«, sagt Maja, eine der Bewohnerinnen, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte. Warum sie das meint? Das Haus steht unter Denkmalschutz, abreißen kann man es nicht. »Außerdem wohnen hier Menschen mit Mietverträgen, die man nicht so einfach raus bekommt.« Als Spekulationsobjekt jedenfalls eignet sich das Haus auf den ersten Blick nicht.

Am Donnerstag lud die Hausgemeinschaft zu einem Pressetermin. Der Auslöser war ein Polizeieinsatz am vergangenen Dienstag (»nd« berichtete): Polizisten brachen die Tür auf, stürmten ins Haus und in mehrere Zimmer, bevor sie das richtige gefunden hatten: Zwei Wohneinheiten des Hauses wurden geräumt.

Das Haus wird gemeinschaftlich genutzt. Die einzelnen Wohneinheiten sind nicht verschlossen, und alle Bewohner teilen sich Bad und Küche. Über die einzelnen Wohneinheiten bestehen getrennte Mietverträge mit dem Eigentümer. Zwei Mieter haben sich den Angaben der jetzigen Bewohner zufolge vor drei Jahren vom Eigentümer herauskaufen lassen und kündigten ihre Verträge. Bis Dienstag wurde eines der Zimmer gemeinschaftlich genutzt, im anderen wohnte ein neuer Mitbewohner. Die Miete für die beiden Räume haben die Bewohner eigenen Angaben zufolge regelmäßig pünktlich und in voller Höhe an den Eigentümer gezahlt. Daher seien sie davon ausgegangen, dass weiterhin ein Mietverhältnis bestanden habe. »Und die Eigentümer offensichtlich auch - jedenfalls haben sie das Geld angenommen und nie zurückgezahlt«, sagt Maja.

Für die Hausbewohner bedeutet das, dass trotz fehlenden Schriftstücks dennoch ein Vertragsverhältnis besteht. Mit ihrem Anwalt loten sie derzeit rechtliche Schritte aus. Einer möglichen Klage sehen sie optimistisch entgegen: »Wir waren schon einmal erfolgreich«, sagt Maja.

Das war 2013. Auch damals ging es um ein Mietverhältnis ohne schriftlichen Vertrag. Die Klage fochten die Bewohner durch zwei Instanzen und erhielten schließlich Recht: Das Amtsgericht sah durch jahrelange Mietzahlungen ein einvernehmlich stillschweigendes Mietverhältnis als gegeben an.

Am liebsten würden die Bewohner der Linienstraße 206 das Haus heute immer noch kaufen. Die jetzigen Eigentümer sind auf ihre Interessensbekundung bisher allerdings nicht eingegangen. Überhaupt reagieren sowohl Eigentümer als auch Hausverwaltung den Bewohnern zufolge selten auf Briefe, Einschreiben an die Hausverwaltung kämen sogar zurück. Auch für »nd« waren die Eigentümer am Donnerstag nicht zu sprechen. Fassadenerhaltende, aber auch notwendige Sanierungsarbeiten würden höchstens von den Bewohnern selbst vorgenommen, sagen die. Das betreffe unter anderem den Hauptwasseranschluss. Die bröckelnde Fassade sorgt vor allem für eines: einen noch größeren visuellen Widerspruch zum Luxusneubau nebenan - von den Bewohnern »schwarzer Block« genannt. Und noch mehr Fototouristen.

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