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Mieten stiegen rasant - trotz Preisbremse

Hamburger Schüler prüften 5000 Anzeigen

  • Von Volker Stahl, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Schlechte Nachrichten für Mieter in Hamburg und Umgebung: Die Wohnkosten steigen nach einer kurzen Verschnaufpause 2015 wieder rasant. In der Hansestadtstiegen sie binnen eines Jahres um 5,6 Prozent, in den an den Stadtstaat angrenzenden Landkreisen sogar um 7,3 Prozent - bei einem gleichzeitigen Anstieg der allgemeinen Lebenshaltungskosten um lediglich 0,3 Prozent! Das ist das Ergebnis einer von Oberstufenschülern des Gymnasiums Ohmoor in Hamburg-Niendorf erstellten Studie, die die aktuellen Angebotsmieten auf der Basis von 5000 Anzeigen im Hamburger Abendblatt und auf Immobilienportalen erfasst hat.

Die Zahlen sind brisant. Denn diese erste Untersuchung nach Inkrafttreten der im gesamten Hamburger Stadtgebiet geltenden Mietpreisbremse hat ergeben, dass die aktuelle durchschnittliche Neuvertragsmiete für eine Wohnung in Hamburg 12,45 Euro pro Quadratmeter beträgt. Zum Vergleich: Der aktuelle Hamburger Mietenspiegel weist eine Durchschnittsmiete von 8,02 Euro pro Quadratmeter aus.

»Trotz der Mietpreisbremse stiegen die Mieten innerhalb eines Jahres in Hamburg 19 Mal schneller als die allgemeinen Lebensunterhaltungskosten«, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg, in dessen Räumen die Studie vorgestellt wurde. Damit sei aus seiner Sicht der Beweis erbracht, dass der Gesetzgeber die Mietpreisbremse dringend nachbessern müsse, um Mietsteigerungen in angespannten Wohnungsmärkten zu dämpfen.

»Interessanterweise steigen die Mieten zudem laut der Studie gerade in den Stadtteilen zweistellig, die nach Plänen der Wohnungswirtschaft aus der für die ganze Stadt geltenden Mietpreisbremse herausgenommen werden sollen«, so Chychla. Das sind besonders Stadtteile in sogenannten B-Lagen, wie in Allermöhe (+23,6 Prozent), Bahrenfeld (+20,1) und Farmsen (+16,8).

Aus den Randlagen des Hamburger Stadtgebiets schwappt die Welle der Mietsteigerungen ins Umland über. Die Elftklässler des Wahlkurses Geografie haben im Landkreis Pinneberg (Schleswig-Holstein) 383 angebotene Wohnungen (durchschnittliche Wohnungsgröße: 73 Quadratmeter) ermittelt und festgestellt, dass dort eine neu angemietete Wohnung 8,78 Euro netto kalt pro Quadratmeter kostete, mithin acht Prozent mehr als 2015 (8,13 Euro).

Die Mieten in den an Hamburg angrenzenden Landkreisen stiegen durchschnittlich um 7,3 Prozent. Insgesamt haben die Geografiekurs-Teilnehmer 2124 Wohnungen (mittlere Größe: 84 Quadratmeter) in den Landkreisen untersucht. Relativ günstig wohnt man noch in Lauenburg (Schleswig-Holstein) und Stade (Niedersachsen) mit durchschnittlich 7,52 Euro verlangter Miete pro Quadratmeter, am heftigsten schnellten die Preise in Stormarn (Schleswig-Holstein) hoch: plus 13 Prozent!

»Da ist was im Gange«, stellt der selbst am Stadtrand wohnende Kurs-Leiter Carl-Jürgen Bautsch fest. Die Mieten im Hamburger Speckgürtel zögen deutlich an und glichen sich dem Niveau in vielen Randlagen Hamburgs an: »Wir in Schnelsen unterscheiden uns gar nicht mehr so sehr von Pinneberg.« Trotz dieser Entwicklung sind mittelgroße Wohnungen in Pinneberg mit im Schnitt 639 Euro Kaltmiete immer noch erschwinglicher als im Hamburger Stadtgebiet, wo Neumieter 1050 Euro einplanen müssen. »Für den Differenzbetrag kann man schon ein Auto finanzieren«, so der lakonische Kommentar des Geografie-Lehrers.

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