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Weitere verdeckte Ermittlerin in der linken Szene enttarnt?

Im Umfeld der Hamburger Roten Flora soll laut eines Rechercheteams eine dritte Polizistin aufgeflogen sein

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Iris P., Maria B. und nun ein Fall Astrid O.? In Hamburgs linker Szene soll über Jahre hinweg eine dritte Polizistin verdeckt ermittelt haben, behauptet ein Rechercheteam aus dem Umfeld der Roten Flora.

Im Umfeld des Hamburger autonomen Zentrums Rote Flora hat es offenbar die Enttarnung einer weiteren verdeckten Ermittlerin gegeben. Wie eine linke Recherchegruppe aus der Hansestadt auf dem Portal linksunten.indymedia.org berichtet, soll die heute 34-Jährige Astrid O. im Auftrag des Hamburger Landeskriminalamtes (LKA) über mehrere Jahre hinweg als Spitzel tätig gewesen sein. Treffen die Vorwürfe zu, dann wäre dies nach Maria B. und Iris P. bereits die dritte verdeckte Ermittlerin, die in Hamburgs linker Szene enttarnt wurde.

So soll die LKA-Beamtin laut dem Rechercheteam zwischen Ende 2006 und April 2013 Kontakt zu mehreren linken Gruppen gesucht haben, darunter seit 2007 in mehreren Hamburger Antifa-Gruppen. Ihre Tarnung soll rückblickend zwar einige Widersprüche aufgewiesen haben, die letztlich jedoch zunächst keine größeren Zweifel hätten aufkommen lassen, so das »Astrid Schütt« – ihr angeblicher Name – immer stärker in die Gruppen integriert wurde. Gleich zu Anfang verschlug es Astrid in den Hamburger Stadtteil Harburg, wo sie unter anderem an der Organisation der Anti-G8-Proteste in Heiligendamm mitwirkte. Ihre Auftreten passte in die Szene: Dreadlocks gehörten zeitweise ebenso dazu, wie ihr Hund, der auf den Namen »Spike« hörte. Auch ihr Ein-Zimmer-Appartement im Hamburg Altona erweckte keine ernsthaften Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Identität. Nur einmal sollen ihre Freunde stutzig geworden sein, als sie in Astrids Wohnung einen Nahkampfstock fanden, wie er auch bei der Polizei üblich sei. Tiefergehende Zweifel weckte der Fund allerdings nicht.

In den folgenden Jahren soll der mutmaßliche Spitzel weitere Kontakte in der linken Szene geknüpft haben. Laut Rechercheteam beteiligte sich »Astrid Schütt« ebenso an den Vorbereitungen einer Hausbesetzung wie an regelmäßigen Plena in der Roten Flora. Als Mitbegründerin einer Gruppe namens »Nella Faccia« (Ital. »ins Gesicht«), die sich der Antirepressionsarbeit in Antifakreisen widmete, bekam Schütt immer tiefere Einblicke in Hamburgs linke Szene. Als im Jahr 2012 erneut der Spitzelverdacht aufkam, soll die angebliche verdeckte Ermittlerin alle Vorwürfe abgestritten haben.

Kurz darauf zeichnete sich der Bruch ab: »Astrid Schütt« setzte sich im April 2013 nach Italien ab, erklärte später gegenüber Freunden in einer Mail, sie würde in einem Restaurant einer Ausbildung nachgehen. Aus der politischen Arbeit zog sie sich vollständig zurück, ehe sie laut Rechercheteam im Oktober 2013 in den Polizeidienst zurückkehrte.

Auffällig an der Tarnung sei im Vergleich zu den Fällen rund um Maria B. und Iris P. gewesen, dass die falsche Identität nicht vollkommen erlogen gewesen sein soll. So soll »Spike« auch nach dem Ausstieg weiterhin in ihrem Besitz gewesen sein, ebenso soll »Astrid Schütt« Freunde aus ihrer Realbiografie auch in der linken Szene vorgestellt haben. Die Recherchegruppe aus dem Umfeld der Roten Flora geht davon aus, dass diese Startegie dazu dienen sollte, Zweifel an ihrer Person zu zerstreuen. Astrid habe sich »ihre Glaubwürdigkeit langfristig über Jahre erarbeitet« und sei deshalb tief in die linke Strukturen eingetaucht.

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