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Sammy gegen Wilderer

Bei Port Elizabeth hilft ein Schäferhund, Nashörner zu retten, und können sich Pinguine in Rehabilitationszentren erholen. Von Michael Juhran

Es ist später Nachmittag im südafrikanischen Amakhala Wildreservat, etwa 100 Kilometer nördlich der Eastern Cape Metropole Port Elizabeth. Guide Byron Sullivan ist mit einer Gruppe deutscher Urlauber in seinem Geländewagen unterwegs. Die sich verabschiedende Sonne wirft ein warmes Licht auf die grünen Berge und Hügel des einstigen Farmlandes, das seit 13 Jahren wieder der Natur überlassen ist. Vögel eilen zwitschernd von Zweig zu Zweig, sonst ist nur das Bellen der Schakale zu vernehmen.

Plötzlich stieben grasende Warzenschweine aufgeregt davon. Ein kräftiger Elefantenbulle bricht aus dem Gebüsch hervor, gefolgt von einer ganzen Familie, die emsig damit beschäftigt ist, mit ihren Rüsseln besonders zarte Triebe von den Zweigen der Büsche zu pflücken. Wenige Meter entfernt laben sich Büffel seelenruhig an einem Wasserloch, wähnen sich in völliger Sicherheit, obwohl auch ein Löwenpaar mit zwei Jungen in nächster Nähe die letzten Sonnenstrahlen genießt. Doch die Gestik der Raubtiere beruhigt die Paarhufer. Satt und zufrieden wälzen sich die Könige der Savanne auf dem Rücken, der Löwenvater gähnt gelangweilt. Drei Hügel weiter und eine halbe Stunde später tauchen vier Nashörner am Horizont auf, die sich langsam den faszinierten Besuchern nähern und die Kameras erneut zum Klicken bringen. Wohl niemand hätte erwartet, gleich bei der ersten Pirsch auf vier Vertreter der »Großen Fünf« Afrikas zu treffen.

Doch die Freude über diese Idylle ist nicht ungetrübt. »Leider verzeichnen wir am Eastern Cape seit geraumer Zeit eine deutliche Zunahme der Wilderei, wovon besonders die Nashörner betroffen sind«, berichtet Brent Cook, Eigentümer der HillsNek Lodge im Tierreservat besorgt. »Die Zahl der getöteten Nashörner nahm in Südafrika von 13 im Jahr 2005 auf 1215 im Jahr 2014 rasant zu. Wenn wir den Wilderern und Händlern nicht Einhalt gebieten, wird es in zehn Jahren keine frei lebenden Nashörner mehr geben.«

Nachdem die Tiere in den 70er und 80er Jahren schon einmal kurz vor der Ausrottung standen, hatte Brent den Entschluss gefasst, etwas dagegen zu unternehmen. Gemeinsam mit drei Gleichgesinnten gründete er 2003 das Amakhala Wildreservat und konnte vier Nashörner für die Zucht erwerben. Sieben Jahre später ereilte ihn ein herber Rückschlag. Brent zeigt das Foto eines prächtigen Nashornbullen: »Das ist Chippy. Mit ihm fing alles an, bis er 2010 gemeinsam mit einem weiteren Bullen von gewissenlosen Wilderern abgeschlachtet wurde.«

Brent ist sich sicher, dass die Tiere Opfer eines international agierenden Verbrecherkartells geworden sind. »Für ein etwa zehn Kilogramm schweres Horn zahlen Händler in Südostasien bis zu 700 000 Dollar. Das Horn ist dort mehr wert als das Tier, und die wachsende Kaufkraft der Bevölkerung in diesen Ländern, in denen noch immer der seit Jahrhunderten verbreitete Irrglaube an magische Heilkräfte des Hornpulvers kolportiert wird, hat fatale Folgen.« 95 Prozent der etwa 22 000 Nashörner Afrikas leben in Südafrika, und täglich werden es drei bis vier weniger.

2011 rief Brent die »Chipembere Rhino Stiftung« zur Rettung dieser Tiere ins Leben, die die Erde seit mehr als 50 Millionen Jahren bevölkern. Ständig sucht er nach neuen Mitteln, um das Abschlachten zu beenden. Seit zwei Jahren ist Sammy, ein deutscher Schäferhund, einer seiner wichtigsten Helfer. Sammy hat ein fünfmonatiges Spezialtraining absolviert, um Wilderer aufzuspüren, die sich meist zu Fuß in der Dunkelheit in die Reservate einschleichen, verdeckt im dichten Gebüsch die Standorte der Nashörner auskundschaften und dann blitzschnell zuschlagen.

Rastlos ist Sammy zu Tag- und Nachtzeiten mit einem Hundeführer unterwegs, um die Nashörner zu schützen oder sich auf einen Einsatz vorzubereiten. Seit Beginn seiner Arbeit im »Anti-Poaching-Team« gab es im Reservat keine Angriffe auf Nashörner mehr. Besonders ist seine Leistungsbereitschaft in Vollmondnächten gefordert. Bei hellem Mondlicht schlagen die Wilderer gern zu, ohne sich durch Taschenlampen zu verraten.

Neben den Nashörnern gehören die afrikanischen Pinguine zu den derzeit besonders gefährdeten Arten. Wieder bin ich mit einer Gruppe deutscher Urlauber unterwegs, um per Boot die Inseln Brenton und St. Croix vor der Küste von Port Elizabeth zu besuchen. Hier und auf dem benachbarten Bird-Island lebt etwa die Hälfte der heute rund 45 000 Tiere zählenden Population im Süden Afrikas. Scharen von Delfinen begleiten unser kleines Motorboot auf der einstündigen Fahrt bis zu den Inseln, so als wollten sie uns den Weg zeigen.

Kleine Gruppen von Pinguinen sonnen sich in den geschützten Buchten der Inseln, ab und an springt einer der drolligen Vögel ins kühle Wasser. Es scheint, als lebe die Population weitab von jeder Gefahr. Doch unser Guide Jamie Edwards weiß es besser: »Zuerst hat man den Tieren die Eier aus den Nestern gestohlen, um sie in London als Delikatesse zu verkaufen, dann trug man das Guano von der Insel ab, in dem die Tiere brüteten, und schließlich fing man mit Schleppnetzen alle Bestände von Anchovis und Sardinen rund um die Inseln. Wir haben einige Tiere mit Chips ausgestattet und fanden so heraus, dass sie bis zu 150 Kilometer schwimmen müssen, um Nahrung zu finden.«

Jetzt kämpfen Jamie und seine Freunde dafür, eine Fischereischutzzone rund um die Pinguininseln zu errichten. Volontäre sorgen sich im nahen »Samrec«-Pinguin-Rehabilitationszentrum um schwache, kranke oder mit Öl verklebte Tiere, und viele Touristen unterstützen ihre Arbeit mit Spenden. Ein ähnliches Reha-Zentrum kann man in Cape St. Francis besuchen.

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