Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Gauland: AfD ist keine christliche Partei

Vizesprecher: Rechtspartei wolle »traditionelles Lebensgefühl« bewahren / Amtskirchen biederten sich lediglich gesellschaftlichen Trends an

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.
Mit der Vorstellung des christlichen Abendlandes kokettiert die AfD allzu gerne. Alles Fassade, wie ein Interview mit AfD-Vize Gauland zeigt. Die Partei wolle statt des Christentums das »traditionelle Heimatgefühl« bewahren.

Um ihr politisches Handeln zu legitimieren, greift die Rechtspartei AfD oft auf die Vorstellung eines christlich homogen geprägten Europas mit Jahrhunderte alter Tradition zurück. So heißt es im Entwurf des Bundesvorstandes zum Grundsatzprogramm, die AfD wolle »unsere abendländische und christliche Kultur [...] bewahren.« Worin dieser christliche Kulturbegriff in ihrer Praxis besteht, darüber ließ die Rechtspartei meist viel Unklarheit in ihren Äußerungen.

Dabei handelt es sich bei dem in den letzten Jahren verstärkt von reaktionären Kräften vorgebrachten Bild Europas um einen Mythos, der in erster Linie dazu dient, den aus konservativer Sicht zerstörerischen Ansatz einer multikulturellen Gesellschaft zu bekämpfen. Zur Geschichte des »Abendlandes« stellte unter anderem der Historiker Rolf Bergmeier fest:

»Gerade der Vergleich der mitteleuropäischen (katholischen) Klosterkultur mit dem muslimischen Kalifat auf der iberischen Halbinsel zeigt, daß das ‘Abendland Europa’ keineswegs nur christliche Wurzeln hat. Im Gegenteil! Neben griechisch- römischen und keltisch-germanischen Wurzeln gründet das heutige Europa in nicht geringem Maße auch auf arabisch-islamische Elemente.«

AfD-Vize Alexander Gauland ließ nun in einem Interview mit der »Zeit«-Beilage »Christ & Welt« durchblicken, dass die Betonung christlicher Werte allenfalls als Vehikel zu verstehen ist, um die eigene reaktionäre Weltsicht an die Wählerschaft zu bringen: »Wir sind keine christliche Partei. Wir sind eine deutsche Partei, die sich bemüht, deutsche Interessen wahrzunehmen«, stellte Gauland klar. Die Partei sei nicht darum bemüht, das Christentum zu verteidigen, »sondern das traditionelle Lebensgefühl in Deutschland, das traditionelle Heimatgefühl.« Der Islam gehöre als »raumfremde Einwanderung« nicht dazu.

Ohnehin liegt die Rechtspartei mit den beiden christlichen Amtskirchen in Deutschland über Kreuz. So hatte das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) Anfang des Jahres beschlossen, der AfD die Teilnahme an dem am Mittwoch beginnenden Katholikentag in Leipzig zu verwehren. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren nach den Worten des ZdK-Präsidenten Thomas Sternberg die Äußerungen von AfD-Chefin Frauke Petry und Parteivizin Beatrix von Storch zu einem möglichen Schusswaffengebrauch gegen Geflüchtete an der Grenze. Mit solchen Aussagen habe sich die AfD »aus dem demokratischen Grundkonsens verabschiedet«, so Sternberg.

Gauland interpretiert diese Haltung als Anbiederung an den Staat. Die Kirchen sollten damit aufhören, den Moden hinterherzulaufen. Insbesondere die evangelische Kirche gebe sich »feministisch-ökologisch und links-grün«, was Gauland »nicht sympathisch« findet. Der AfD-Vize verstehe sich selbst als »Kulturchrist«, der schlicht Mitglied der evangelischen Kirche sei, »weil ich damit aufgewachsen bin, weil ich die Tradition meiner Familie achte«.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln