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Ein umtriebiger Gerechter

NACHRUF

  • Von Jörn Schütrumpf
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine »archäologische Ein-Mann-Expedition in die zerstörte Welt der frühen sowjetischen Führung« nannte ihn der New Yorker Historiker Stephen F. Cohen. Bekannt geworden ist David King, Sohn eines Bankers, 1972 mit einem großformatigen Trotzki-Bildband, für den er jahrelang in verschiedenen Ländern recherchiert und die letzten Zeitzeugen aufgesucht hatte. Er war zu dieser Zeit künstlerischer Direktor der »Sunday Times« in London; wenig später galt der bekennende Linke als nicht mehr tragbar und wurde in seiner Heimat Großbritannien für Jahrzehnte zur Persona non grata. Erst als sein Bildband »Roter Stern über Russland« 2010 mit dem honorigen »Banister Fletcher Award« für das beste Kunst- und Architekturbuch ausgezeichnet wurde, brach der Bann. Sein letztes Buch verfasste er zusammen mit dem gerade 70 gewordenen Ernst Volland, einer der letzten Linken unter Deutschlands bildenden Künstlern: eine wunderschöne Heartfield-Hommage: »Laughter is a Devastating Weapon« (Lachen ist eine verheerende Waffe). Die meisten Bücher machte King ab Mitte der 1970er Jahre in den USA; die deutschen Übersetzungen erschienen zumeist im Mehring-Verlag in Essen. Zugleich entwarf King Plakate für die Anti-Apartheid-Bewegung und für britische Gewerkschaften wie die »National Union of Journalists«. Das Logo der Anti-Nazi-Liga stammt ebenso von ihm wie Plakate für die »Rock Against Racism«-Konzerte. Zudem legte King eine der weltweit umfangreichsten und bedeutendsten Privatsammlungen mit russischer revolutionärer Kunst an, 250 000 Plakate, Zeitungen, Flugschriften und Fotos.

2014 besuchte King den Messestand von dietz berlin in Leipzig und bot uns die überarbeitete und ergänzte Neuausgabe seines Klassikers »Die Kommissare verschwinden. Die Fälschung von Fotografien und Kunstwerken in Stalins Sowjetunion« (1996) an; wir waren uns sofort einig, dass dieses Buch in den Verlag gehört, in dem einst Stalins Werke ihre Heimstatt hatten.

Mitten in der Arbeit ist David King kurz nach seinem 73. Geburtstag einem Herzinfarkt erlegen. Die »New York Times« schrieb in ihrem Nachruf, er sei von einem brennenden Gefühl gegen die Ungerechtigkeit des kapitalistischen System getrieben worden.

David King: »Die Kommissare verschwinden« (dietz, 232 S., 29,90 €).

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