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Reise zu den Mönchen nach Athos

Russlands Präsident Putin und Patriarch Kirill besuchen gemeinsam in Griechenland

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 4 Min.

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Seit 1000 Jahren hat der heilige griechische Berg Athos auch für die Christen der Kiewer Rus große Bedeutung. Zum Jubiläum der russischen Präsenz kommt hoher Besuch aus Moskau - auch nach Athen.

Die Reise Wladimir Putins nach Griechenland bietet schon vom Programm her willkommene Bilder. Denn nach dem Treffen mit Premier Alexis Tsipras am Freitag steht am Samstag eine Visite der autonomen Mönchsrepublik Berg Athos auf der Tagesordnung. Patriarch Kirill von Moskau und der ganzen Rus wurde deshalb zum natürlichen Reisegefährten des russischen Präsidenten. Für diesen ist der Besuch Griechenlands abgesehen von einem Flug im Februar ins »nahe Ausland« Belarus, die erste »richtige« Auslandsreise seit sechs Monaten. Im ersten Halbjahr 2016 steht noch China auf der Agenda.

Im Jahr 2015 fiel die Bilanz mager aus. Wenn es nicht um internationales Krisenmanagement geht, sind seit dem Russland-Beitritt der Krim 2014 auch Besuche von westlichen Amtskollegen in Moskau selten geworden. Mit dem von Griechenlands Präsidenten Prokopis Pavlopoulos Mitte Januar befassten sich die Medien daher mehrere Tage.

Jetzt trifft Putin den Mann, der den Gang der Dinge in Athen bestimmt. Seit der Wahl von Tsipras zum Regierungschef im Januar 2015 hat sich das russisch-griechische Verhältnis merklich erwärmt. Der Premier ist häufig in Moskau und polemisiert hier scharf gegen die Sanktionen des Westens. Er stimmt jedoch in Brüssel »stets brav für deren Verlängerung«, wie die kritische Wirtschaftszeitung »rbk« hämte. Beobachter warnen vor überzogenen Erwartungen an den Gipfel.

Wenn die SYRIZA-Regierung bei Verhandlungen mit der EU gelegentlich die russische Karte spielt, so Europa-Experte Juri Kwaschnin, geschehe das vor allem in der Hoffnung auf mildere Auflagen für Sparkurs und Reformen und um der Opposition keine Angriffsfläche zu bieten. Die lege sich ebenfalls für eine Rückkehr zur Normalität ins Zeug, weil Russland beim griechischen Wähler erheblich populärer sei als im Rest der EU.

Der Druck der Wirtschaft, vor allem der Bauern, nehme ebenfalls zu. Russland hatte als Retourkutsche für westliche Sanktionen im Sommer 2014 einen Einfuhrstopp für EU-Agrarprodukte verhängt. Vor allem deshalb brach das bilaterale Handelsvolumen 2015 um 34 Prozent ein.

Die Front bröckelt bereits, glauben Optimisten. Ausgerechnet Shinzo Abe, Regierungschef Japans, mit dem Russland nach wie vor keinen Friedensvertrag hat, habe mit seinem Besuch bei Putin Mitte Mai in Sotschi gezeigt, dass Russland international nicht isoliert sei. Abgeordnete mehrerer EU-Länder - nicht nur vom rechten Rand - hätten die Krim besucht. Kollegen aus der norditalienischen Region Venetien, wo Sanktionen und Gegenaktionen Exportausfälle von 72 Prozent verursachten, verabschiedeten Mitte Mai sogar eine Resolution, mit der die italienische Zentralregierung aufgefordert wird, die Schwarzmeerhalbinsel als Teil Russlands anzuerkennen. Das habe, so ein russischer Diplomat, keine praktischen Konsequenzen. Doch das Beispiel werde Schule machen. Auch und gerade in Griechenland.

Putins Visite fällt mit der von Kirill, dem Oberhirten der Russisch-Orthodoxen Kirche, zusammen. Die Freude über den Besuch des illustren Glaubensbruders aus Moskau hält sich bei Teilen des griechischen Klerus jedoch in Grenzen. Patriarch und Präsident besuchen Samstag zusammen mit Tsipras und Staatschef Pavlopoulos Athos. Formeller Anlass ist die tausendjährige Präsenz Russlands auf dem Heiligen Berg. Doch ausgerechnet im Vorfeld des Welttreffens orthodoxer Kirchen im Juni auf der griechischen Insel Kreta proben Teile der Mönchsrepublik den Aufstand. Er richtet sich gegen Bartholomäus, den Patriarchen der Griechisch-Orthodoxen Kirche. Fünf Großklöster verweigern ihm die namentliche Fürbitte.

Die Mönche wollen verhindern, dass sich die orthodoxe Kirche auf dem Welttreffen gegenüber anderen christlichen Bekenntnissen öffnet und Moralvorschriften lockert. Entsprechende Resolutionen hat der liberale Bartholomäus, den auch die meisten orthodoxen Christen in der Ukraine, im Baltikum und auf dem Balkan als Oberherrn anerkennen, initiiert. Beistand im Kampf gegen die drohende Verluderung versprechen sich die Rebellen nun vor allem von Moskau.

Kirill ist ein Konservativer. Auch der russische TV-Kanal »Zarigrad«, dem die Mönchsrepublik die Rechte für die Liveübertragung des Athos-Besuchs überließ, gilt als erzkonservativ. Chefredakteur Alexander Dugin wird von Russlands Liberalen sogar als reaktionär und rechtsextrem geschmäht. Er ist der Vordenker der »Eurasischen Bewegung«, die den dekadenten Doppelkontinent gern unter großrussisch-orthodoxen Fahnen einen und dabei moralisch sanieren würde. Auch weist Dugin historisch weniger Belesene gern darauf hin, dass der Heilige Berg, nachdem die Osmanen 1453 Zarigrad (kirchenslawisch für Konstantinopel) eroberten, mehrere Jahrhunderte dem Moskauer Patriarchat unterstand.

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