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Bremen bändelt mit Island an

Hilfe bei Hafenbau soll gute Einnahmen bringen

  • Von Alice Bachmann, Bremen
  • Lesedauer: 3 Min.

Bremens Erfahrungsschatz im Hafenbau und in der Arktis-Seefahrt umfasst Jahrhundert. Damit hat Bremen eine gute Grundlage für ein weiteres ambitioniertes Projekt: den Bau einer modernen Hafenanlagen im Nordosten Islands.

Bereits vor rund 600 Jahren ließ die Stadt Bremen in einem kleinen Örtchen etwa 20 Kilometer nördlich an der Weser einen Hafen für Handels- und vor allem Walfangschiffe bauen. Er gilt als der älteste, künstlich angelegte Hafen Deutschlands. Die Walfangschiffe lagen hier im Winterquartier und fuhren in der Saison bis Grönland.

Mittlerweile ist Vegesack, das mit dem Hafen groß wurde und an Bedeutung gewann, ein Teil Bremens. Und Bremen ist nicht mehr nur eine Stadt, sondern ein Zwei-Städte-Staat. Zum Bundesland Bremen gehört auch Bremerhaven, der Hafenbau dort an der Wesermündung in die Nordsee wurde vor rund 200 Jahren von Bremer Kaufleuten initiiert. Entsprechend hat die heutzutage für Bremens Hafenbau zuständige Gesellschaft »bremenports« in beiden Schwesterstädten Standorte, wenngleich sie eine 100-prozentige Tochter der Stadt Bremen ist.

Derzeit arbeitet »bremenports« an einem weiteren spektakulären Hafenbauprojekt, wieder an einem als schwierig eingestuften Ort: Vor Jahren bändelte Island mit Bremen an, denn die Regierung in Reykjavik geht von einem grundlegenden Wandel: Man sieht keine ausreichenden Perspektiven in der Ölförderung und Fischerei mehr, erwartet wird aber - durch den Klimawandel und den Eis-Rückgang bedingt - eine enorme Steigerung des Warenverkehrs auch in der arktischen See. Zudem wird mit neuen Zugängen zu Rohstoffen und der Entstehung weiterer Handelswege auch im hohen Norden gerechnet. Island könnte, so die Prognose, somit ein global bedeutender Verkehrsknotenpunkt im Norden werden.

Die Bremer Hafeninfrastrukturgesellschaft hat nun zwei Jahre lang mit einem isländischen Partner den isländischen Finnafjord auf seine Eignung als Hafenstandort untersucht - und ist zu einem positiven Ergebnis gekommen. Woraufhin Bremens Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Martin Günthner (SPD), dieser Tage nach Island reiste und dort mit dem isländischen Präsidenten Olafur Ragnar Grimsson eine gemeinsame Absichtserklärung - ein Memorandum of Understandig - unterschrieb.

Darin bekunden die Republik Island und zwei isländische Kommunen sowie eine Ingenieursgesellschaft und »bremenports«, dass sie die Hafenplanung gemeinsam voran treiben und - wenn diese Planung konkreter geworden ist - eine gemeinsame Hafenentwicklungsgesellschaft, die »Finnafjord Port Development« gründen wollen.

Um im von Sparzwängen stark eingeschränkten Bremen niemanden zu erschrecken, ließ Senator Günthner gleich nach seiner Rückkehr in die Hansestadt verlautbaren, dass Bremen den Hafen, falls er denn gebaut wird, weder finanzieren noch betreiben wird.

Wie tief Günthners Bremer Amtskollegen und der Bevölkerung im Haushaltsnotlageland Bremen die Angst vor weiteren Ausgaben in den Knochen sitzt, lässt sich an der Beteuerung des Senators ablesen, dass Bremen Island als Partner ansieht und diesem bei seinem ambitionierten Plan gerne hilft. Günthner nennt diese Hilfe: »ein interessantes Auslandsprojekt für unsere Hafenplaner, mit dem ›bremenports‹ wertvolle Einnahmen erzielen kann«.

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