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Vier Rollen und fünf Ringe

Mit der Aufnahme von Skateboarding und Wellenreiten will sich Olympia neuen Zielgruppen annähern

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 3 Min.
Mit Skateboarding soll nun gerade ein Sport olympisch werden, um den seit den 1970er Jahren ein nicht auf Wettkampf und Verbände bezogenes Organisationsmodell entstand. Probleme sind programmiert.

Droht nun der »Ausverkauf der Coolness«? Mit solchen Szenekundeschlagzeilen haben Medien wie die »Zeit« jüngst den Prozess begleitet, der nun in der »Empfehlung« des IOC-Exekutivkomitees mündete, Skateboardfahren sowie Wellenreiten bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio zuzulassen. Bunte Jungs mit Skateboards und die Hochglanzwelt Olympia - das scheint zunächst nur schwer vereinbar.

Tatsächlich ist die Beziehung zwischen Skateboarding und organisiertem Sport facettenreicher. Schon 1965 erhob die weltweit erste Skateboardzeitschrift namens »Quarterly Skateboarder« selbstbewusst einen Olympiaanspruch. Anfang der 1970er Jahre, als im Skateboarding Disziplinen wie das an Eiskunstlauf erinnernde »Freestyle« sowie Slalomrennen dominierten und die Sportart einen Popularitätsschub erfuhr, entstanden Verbände, die ausdrücklich auf Olympia hinarbeiteten. Dass diese Entwicklung Ende der 1970er Jahre in den USA und dann weltweit jäh abbrach und aus dem Skateboardfahren eine - sich bewegungstechnisch ständig umwälzende - Straßen- und Jugendkultur wurde statt einer klassischen Sportart, hatte viel damit zu tun, dass amerikanische Versicherer sich aus Angst vor Sammelklagen plötzlich weigerten, Haftpflichtpolicen für Skateboardanlagen auszustellen.

In Tokio sollen nun Männer- wie Frauenkonkurrenzen in Disziplinen stattfinden, die auf die 1990er Jahre zurückgehen: »Street Skateboarding« in einem Parcours mit Elementen wie Treppen, Geländern und Schrägen sowie »Park Skateboarding« in einer Art Mondlandschaft aus schalenförmigen Zementelementen. Was nicht auf dem Programm steht, ist etwa die Halfpipe - obwohl dieses um 1980 im Skateboarding entstandene Möbel längst Bestandteil des olympischen Winterprogramms ist.

Mit Skateboarding und auch Surfing will Olympia wohl auf ein junges, urbanes Publikum zugehen. Dass dies in Tokio geschieht, ist passend: Schon seit den 1980er Jahren ist Japan neben den USA und Westeuropa ein Schwerpunkt des Skateboarding.

Doch ist bis 2020 viel zu tun: Wie soll etwa eine repräsentative Qualifikation organisiert werden in einer Sportart, in der - abgesehen vom Deutschen Rollsport- und Inlineverband - kaum handlungsfähige Strukturen bestehen?

Es ist noch nicht einmal klar, wer das Skateboard-Olympiaturnier organisieren soll. Nachdem schon 2007 ein erster Anlauf unter dem Dach des Radsportverbands am Widerstand vieler Aktiver gescheitert war, konkurrierten nun bis zuletzt gleich drei Organisationen: der Rollsport-Weltverband FIRS, seit 1984 olympisch anerkannt, aber ohne Kontakte im Skateboarding, die International Skateboarding Federation ISF, die kein Sportverband im Sinn des IOC ist, aber die Unterstützung der Skateboardindustrie genießt und die junge World Skateboarding Federation WSF, die sich um eine internationale Verbandsarbeit bemüht. Unter dem Druck des IOC haben die Kontrahenten vorläufig eine Kommission gebildet, die offiziell bei der FIRS operiert, deren Vorsitzender aber ISF-Präsident Gary Ream ist. Wie tragfähig dieses Modell ist, wird sich erst noch zeigen müssen.

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