Zentrum für Folteropfer braucht Hilfe

In der Moabiter Einrichtung gibt es aktuell viel zu wenige Therapieplätze für traumatisierte Flüchtlinge

  • Von Ulrike von Leszczynski
  • Lesedauer: 3 Min.

Was soll das hier?

Linker Journalismus – das ist der Luxus, zur Bundestagswahl nicht nur die überall gleichen Agenturmeldungen zu lesen, sondern das Koalitionsgerangel aus einer linken Perspektive kritisch zu beobachten und zu beurteilen. Wir zahlen Reportern einen korrekten Lohn, recherchieren aufwendig für profunde Hintergründe, sprechen mit unabhängigen Experten. Das alles kostet Geld. Wenn Ihre persönliche Lage es zulässt, freuen wir uns deshalb, wenn Sie die Lektüre dieses Textes mit einem frei gewählten Obolus honorieren – oder unser Blatt gleich gedruckt oder online abonnieren!

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...
Bundespräsident Joachim Gauck besuchte am Donnerstag das Behandlungszentrum für Folteropfer. Dort erwartete ihn Berührendes. Krieg, Flucht und Folter haben viele Flüchtlinge krank gemacht.

Das Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer kann weiterhin nur wenigen schwer traumatisierten Flüchtlingen Therapien anbieten. Die Anfragen an das Zentrum überstiegen die Kapazitäten um ein Vielfaches, sagte Sprecherin Doris Felbinger. »Unsere Arbeit ist wie ein Tropfen auf dem heißen Stein.« Am Donnerstag besuchte Bundespräsident Joachim Gauck das Zentrum.

Mehr als 60 000 Flüchtlinge leben inzwischen in der Hauptstadt. Im vergangenen Jahr nahm das Zentrum rund 500 traumatisierte Menschen in Therapieprogramme auf. Zumeist ging es um schwere psychische Leiden, die durch Kriegsgewalt, Verfolgung und Flucht ausgelöst wurden. Die meisten Patienten stammten aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien.

Krieg und Verfolgung können nach den Erfahrungen der Ärzte und Therapeuten des Zentrums tiefe seelische Verwundungen bei Flüchtlingen hinterlassen. Dazu kämen oft die riskante Flucht über das Mittelmeer und das ungewisse Warten an EU-Außengrenzen. Betroffene litten zum Beispiel unter massiven Schlafstörungen, ständigen Alpträumen und Angsterkrankungen. Folgen können Konzentrationsstörungen, Wutausbrüche, Suizidgedanken und Depressionen sein.

Die lange Unterbringung in Massenunterkünften und unsichere Zukunftsperspektiven könnten schwelende Traumata verstärken. »Am besten wäre es, neu eingereiste Menschen sofort aufzufangen«, sagte Felbinger. Sonst könnten Traumata chronisch werden und viel längere Behandlungen erfordern. Das Zentrum bietet Sozialarbeitern in Flüchtlingsunterkünften und Lehrern in Willkommensklassen inzwischen Schulungen an, um Anzeichen schwerer Traumata zu erkennen.

Bereits 2013 hat das Zentrum ein Akutprogramm für Flüchtlinge eingerichtet und inzwischen weiter ausgebaut. Darunter sind auch spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche. Mehr als 150 Menschen begannen dort 2015 eine Therapie, im Vorjahr waren es 77. Bei 15 Anfragen könnten aber meist nur drei bis vier Menschen sofort therapeutische Hilfe bekommen, sagte Felbinger. »Unser Kriterium ist die Dringlichkeit.« Wartelisten könne das Zentrum gar nicht mehr anbieten.

Das Zentrum kümmert sich nicht allein um therapeutische Hilfe, es geht auch um Sozialarbeit, Sprachkurse und Ausbildung. Für traumatisierte Frauen gibt es ein Wohnprojekt. »Ein gebrochener Arm kann geheilt werden«, sagt eine Betroffene, die vor ihrer Flucht Folter erlitt. »Aber seelisch dauert das lebenslang.«

Das Zentrum wurde 1992 für traumatisierte Menschen aus dem Irakkrieg und dem Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien gegründet. Es ist heute Teil des Berliner Zentrums »Überleben«. Zu dem mehr als hundert Köpfe zählenden Team gehören neben Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeiten auch Dolmetscher. Das Budget für 2015 lag bei 6,5 Millionen Euro, davon waren 40 Prozent öffentliche Zuschüsse, der Rest entfiel unter anderem auf Entgelte für ärztliche und therapeutische Leistungen und Spenden.

Zu den Patienten der Hilfseinrichtung gehörten bisher Menschen aus mehr als 50 Staaten, die nach Deutschland flohen. In mindestens 102 Ländern der Erde werden nach Einschätzung des Zentrums Menschen von staatlichen Stellen oder regionalen Machthabern misshandelt und gefoltert. Vor allem junge Mädchen und Frauen erleiden dabei oft auch sexualisierte Gewalt bis hin zu Vergewaltigungen. dpa

Werbung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Na, dann aber hopp!

Schenken was wirklich Freude macht. Starke Inhalte statt kapitalistischen Überfluss.

Jetzt bestellen oder verschenken

Weihnachtsabo
Weihnachtsabo