Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Blick ins Innere der DNA

Vor 100 Jahren wurde der britische Physiker und Biochemiker Francis Crick geboren. Von Martin Koch

In den 1950er Jahren lieferten sich Biologen und Chemiker ein regelrechtes Wettrennen um die Entschlüsselung der Struktur des Erbmoleküls DNA. Erfolgreich waren am Ende ein junger schlaksiger Amerikaner und ein britischer Physiker, die an der Universität Cambridge zeitweilig ein kongeniales Forscherteam gebildet hatten: James Watson und Francis Crick. Skrupel bei der Arbeit kannten beide nicht. So verschafften sie sich Zugang zu den DNA-Röntgenbildern der Kristallographin Rosalind Franklin, ohne dass diese davon etwas wusste. Danach war beiden schlagartig klar, dass die DNA eine Doppelhelix-Struktur besitzt. Am 25. April 1953 veröffentlichten sie diese bahnbrechende Erkenntnis in der britischen Zeitschrift »Nature«. In der Fachwelt war die Überraschung groß. Er könne noch immer nicht glauben, empörte sich der renommierte Chemiker Erwin Chargaff, dass ausgerechnet zwei »wissenschaftliche Clowns« wie Watson und Crick eines der größten Rätsel der Biologie gelöst hätten. 1962 erhielten beide dafür den Nobelpreis für Medizin.

Francis Crick, dessen Geburtstag sich am 8. Juni zum 100. Mal jährt, wurde als Sohn eines Schuhfabrikanten in der englischen Industriestadt Northampton geboren. Nach der Weltwirtschaftskrise zog die Familie nach London. Hier besuchte Crick, der nach eigener Aussage schon mit 12 Jahren seinen religiösen Glauben verloren hatte, die private Mill Hill School und studierte Physik am University College. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er für die britische Marine und entwickelte magnetische und akustische Seeminen.

Nach dem Krieg verlängerte er seinen Dienst um zwei Jahre und las in dieser Zeit das Buch »Was ist Leben? Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet« von Erwin Schrödinger. Davon inspiriert nahm Crick 1947 ein Biologiestudium auf. Es war die Verbindung von Biologie und Physik, die ihn fortan fesselte. 1949 ging er ans Cavendish Laboratory in Cambridge, wo eine Gruppe von Forschern mittels Röntgenstrahlen den dreidimensionalen Aufbau von Proteinen erforschte. Dem schloss sich auch Crick an, der seine Promotion auf diesem Gebiet allerdings jahrelang nicht zum Abschluss brachte. Er war gerade mit der Analyse des Hämoglobins beschäftigt, als James Watson ans Cavendish kam. Er und Crick teilten sich ein Büro und verstanden sich sofort prächtig. Gemeinsam kamen sie überein, die Struktur der DNA aufzuklären, was ihnen, wie eingangs erwähnt, mit Bravour gelang.

Kurz nach dem Erscheinen ihres epochalen »Nature«-Artikels über die Doppelhelix wurde Crick mit 37 Jahren promoviert. Gegenstand seiner Arbeit war die Röntgenbeugung bei Proteinen und Polypeptiden. Danach wandte er sich wieder der DNA zu. Um zu erklären, wie deren Information in Proteine übersetzt wird, sagte er die Existenz von RNA-Molekülen voraus, die daran entscheidend mitwirken. 1958 formulierte er einen Satz, den er unvorsichtigerweise das »zentrale Dogma der Molekularbiologie« nannte. Auch wenn dieses inzwischen längst kein Dogma mehr ist, gilt seine Kernaussage bis heute: Veränderungen der Proteine führen nicht zu Veränderungen der DNA-Basensequenz, erworbene Eigenschaften werden nicht vererbt.

1976 verließ Crick das Cavendish und wurde Professor am Salk Institute im kalifornischen La Jolla. Hier arbeitete er vor allem zu Fragen der Neurobiologie und versuchte, das Rätsel des Geistes auf naturwissenschaftlicher Grundlage zu lösen. Religiöse Deutungsmodelle lehnte er dagegen kategorisch ab. Was für andere die Seele war, war für Crick nur ein Netzwerk von physikalisch-chemischen Prozessen. Sich selbst bezeichnete er einmal als Agnostiker, der eine »starke Neigung in Richtung Atheismus« habe.

In Briefen und Gesprächen plädierte Crick für eine »positive Eugenik« und gab die Empfehlung, gesunde Eltern sollten mehr Kinder zeugen. Außerdem gehörte er zu den Urhebern der Hypothese von der gerichteten Panspermie, die besagt, dass das Leben von einer unbekannten Zivilisation in Keimform auf die Erde verbracht worden sei, um es hier fortzuführen. Crick starb am 28. Juli 2004 mit 88 Jahren in La Jolla.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln