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Ein Raumschiff zum überirdischen Preis

Die Kosten für einen Prestigebau der Uni Lüneburg steigen auf 93 Millionen Euro

Das künftige Zentralgebäude der Leuphana-Universität in Lüneburg wird noch teurer, als schon vor einem Jahr befürchtet.

»Raumschiff« ist mittlerweile ein gebräuchliches Synonym für den futuristisch anmutenden Bau, mit dem die relativ kleine, 9000 Studierende zählende Leuphana-Universität im niedersächsischen Lüneburg prunken will. Und immer mehr trifft der Vergleich mit einer Kosmoskapsel nicht nur auf die Architektur des Renommierstücks zu, sondern auch auf dessen Kosten. Denn sie verhalten sich genau so, wie es einem Raumfahrzeug zu eigen ist: Sie steigen höher und höher.

Längst mag kaum noch jemand der offiziellen Seite von den 58 Millionen Euro reden, die einst für das neue, vom US-amerikanischen Stararchitekten Daniel Libeskind geplante Uni-Zentralgebäude veranschlagt worden waren. Für die Universität ohne Verrenkungen zu wuppen, dachte man, zumal Fördermittel winkten: von Bund, Kommune, Sponsoren und vom Land Niedersachsen, das allein 21 Millionen Euro beisteuern wollte. Nun dürfte es vermutlich tiefer in den Steuergeldtopf greifen müssen als geplant, um das »Raumschiff« auf seiner Baustrecke zu stützen, nimmt doch die Kostenexplosion kein Ende, erreicht nach aktuellen Informationen 92,6 Millionen Euro.

Diese Zahl nannte die Lüneburger »Landeszeitung«, nachdem die Universität dem Haushaltsausschuss des Landtages am Mittwoch einen Statusbericht zum Bau vorgelegt hatte. Ob dabei der Betrag erwähnt wurde, war nicht zu erfahren. Zu dem Treffen hatten weder Presse noch interessierte Bürgerinnen und Bürger Zutritt.

Vergeblich habe sich die CDU dagegen gewehrt, dass das Thema in vertraulicher Sitzung behandelt wurde, schimpft Reinhold Hilbers, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion. Schließlich sei es um Steuergelder gegangen. Doch die rot-grüne Mehrheit habe auf dem Aussperren der Öffentlichkeit bestanden. Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) verkündete nach der Zusammenkunft nur, »dass die zuletzt genehmigten Kosten um mehr als 15 Prozent überschritten werden«. Konkrete Zahlen nannte sie nicht.

Schon 2015 waren vertrauliche Papiere des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst ans Tageslicht gelangt, in denen von einem möglichen Anstieg der Kosten auf knapp 90 Millionen Euro ausgegangen war. Die Universität hatte geraume Zeit zuvor ebenfalls eine Kostensteigerung verkündet: 72 Millionen Euro werde der Bau fordern.

Warnende Stimmen begleiten das Prestigeobjekt seit Jahren. Ende 2013 fragte der Landesrechnungshof angesichts gekletterter Kosten, ob ein Baustopp angezeigt wäre und die Uni vom Libeskind-Projekt zu einem »konservativen« Gebäude umschwenken sollte. Doch das, da stimmten auch die Finanzwächter zu, wäre in der schon erreichten Bauphase unwirtschaftlich gewesen.

Mit Bedenken schaut auch die Oberfinanzdirektion auf den Uni-Protz, mahnte bereits 2014: Sofern Risikofälle den Bau träfen, könnte die Bausumme auf 91 Millionen anwachsen, schlimmstenfalls auf 125 Millionen Euro.

Ministerin Heinen-Kljajic signalisierte, wie die Mehrausgaben wohl aufgefangen werden: Das Land werde sicherstellen, dass die Finanzierung »nicht zu Lasten von Forschung und Lehre geht«. Im Klartext: »Sichersteller« sind die Steuerbürger. Bleibt zu hoffen, dass das Gebäude Anfang 2017, wie geplant, fertig ist. Sonst droht weiteres finanzielles Übel: Im Fall einer Verzögerung kann die EU ihre Fördermittelzusage zurückziehen.

Hätte sich die Uni mit einem bescheidenen Zweckbau begnügt, wäre voraussichtlich nur die Hälfte der nun zu erwartenden Kosten entstanden. Das meint der Bund der Steuerzahler und kommentiert: »Mit dem Wunsch, durch außergewöhnliche Architektur im beschaulichen Lüneburg auftrumpfen zu wollen, hat sich die Leuphana kräftig verhoben.«

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