Werbung

Frieden per Fußball

Das 21. Jüdisches Filmfestival Berlin & Brandenburg

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Fast hätte das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg in diesem Jahr nicht stattgefunden, da der Hautstadtkulturfonds die Förderung nicht verlängert hatte. Das hätte das Aus für das Festival bedeutet, wäre nicht Außenminister Frank-Walter Steinmeier eingesprungen. Er ermöglichte eine Notförderung für das traditionsreiche Festival, das nun seine 21. Ausgabe feiert und in seiner Art in Deutschland nach wie vor einzigartig ist.

So beleuchten die etwa 40 internationalen Filme aus Frankreich, Kanada, Israel, den USA oder Polen traditionell alle möglichen Facetten jüdischen Lebens im Gestern und Heute und führen die Zuschauer auf meist sehr unterhaltsame Entdeckungsreisen.

Der 50-minütige Dokumentarfilm »Street Shadows« erzählt anhand der Straße Nave Sha’anan im Süden Tel Avivs von den Veränderungen in der israelischen Gesellschaft. In den 60er Jahren war die Straße voller Leben, ein elegantes Geschäft reihte sich ans nächste. Heute ist die Gegend heruntergekommen und vor allem von Flüchtlingen bewohnt. Regisseur David Fisher spricht mit den Geschäftsinhabern und Anwohnern und entdeckt Weisheit und Güte, aber auch Herablassung und Rassismus.

Was tun, im 100 Jahre schwelenden Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis? Der Eröffnungsfilm »90 Minuten - Bei Abpfiff Frieden« (4.6. in Potsdam, bundesweiter Kinostart am 30.6.) löst die Frage satirisch. Ein Fußballspiel zwischen beiden Nationalmannschaften wird angesetzt - und der Gewinner darf im Land bleiben. Gefilmt ist die Komödie wie eine Pseudo-Doku. Die beiden Manager der Teams kappeln sich beharrlich, machen sich einen Spieler abspenstig und bei beiden Völkern herrscht Volksfeststimmung. Aller Satire zum Trotz werden Befindlichkeiten und Ressentiments beider Seiten präzise skizziert. Doch Regisseur Eyal Halfon fehlt der Mut zu wahrer Schärfe und tut keinem richtig weh.

Weh tut dagegen der erste Liebeskummer. Doch bis es dazu kommt, lernen sich der 16-jährige Mark und seine aus Russland gekommene, angeheiratete Kusine »Natasha« in dem gleichnamigen Film (Europapremiere) zunächst kennen. Dann entbrennt der behütet aufgewachsene Mark für die schöne, recht abgebrühte Russin, und das wird anrührend erzählt. Regisseur David Bezmozgis wirft auch einen mokanten, aber liebevollen Blick auf russisch-jüdische Familien in Kanada, mit all ihrem Tratsch, dem Naserümpfen über nichtjüdische Väter und Philosophieren über die Welt.

Auch beim Friseur gerät man ins Plaudern. Die jüdisch-israelische Regisseurin Iris Zaki verdingt sich in ihrer so unterhaltsamen wie aufschlussreichen Kurzdoku »Women in Sink« in dem arabischen Frisiersalon »Fifi« in Haifa als Haarwäscherin und verwickelt ihre Klientinnen in Gespräche über Gott und die Welt. Die Kamera hängt über dem Waschbecken, so dass wir die zu frisierenden Damen in Großaufnahme sehen. Erstaunlich offen erzählen die jüdischen oder muslimischen Frauen über sich, ihr Leben, ihre Männer und beurteilen den Nahostkonflikt. In die direkte und kurzweilige Doku bringt sich Zaki auch selbst ein.

Ein kleines Juwel an subversivem Humor ist schließlich die israelische Komödie »Atomic Falafel« von Dror Shaul. Darin wollen israelische Offiziere einen atomaren Erstschlag auf den Iran ausführen. Doch sie haben die Rechnung ohne eine israelische Falafel-Köchin, deren Tochter, einen deutschen Atominspektor (Alexander Fehling) und eine gewitzte junge iranische Rapperin gemacht. Alle ethnischen, religiösen und politischen Gruppen bekommen ihr Fett weg - und am Ende siegt die Menschlichkeit.

Vom 4.-19. Juni in u.a. in den Kinos Babylon Mitte, fsk, Neues Off, Filmmuseum Potsdam, Infos und Programm unter www.jffb.de

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!