55 Millionen für die Universitäten

Senat fördert unbefristete Arbeitsverträge, Studienerfolge und Gründungen von Start-ups

  • Von Ellen Wesemüller
  • Lesedauer: 3 Min.
Hochschulen und Bildungsverwaltung unterzeichneten am Montag die »Qualitäts- und Innovationsoffensive für Lehre und Forschung«. Bis 2020 fördert der Senat damit alle Hochschulen zusätzlich.

»Schön, dass es das Mehr an Geld gibt«, sagt Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt Universität (HU). Auf diesen Satz können sich alle einigen, die an diesem Montag in die Bildungsverwaltung gekommen sind, um den Vertrag zur »Qualitäts- und Innovationsoffensive für Lehre und Forschung« zu unterzeichnen. Neben Kunst auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Martin Rennert, Präsident der Universität der Künste sowie Klaus Semlinger, Präsident der Hochschule für Wirtschaft und Technik.

Besonders lobte Kunst die geplante Förderung des Studienerfolgs. An der HU gebe es Studiengänge mit einer Abbrecherquote von 50 Prozent. »Wir wollen uns ein Bild machen, wer aus welchen Gründen verschwindet.« Mit dem neuen Förderschwerpunkt »Unternehmensgründung« könnten Ideen aus der Wissenschaft zudem nun zur »Produktionsreife finden«. So könnten sich Netzwerke bilden, in denen »Wirtschaftsunternehmen auf dem Schoß der Wissenschaft sitzen.«

Die vorausgegangene »Qualitätsoffensive« hatte den Berliner Hochschulen von 2012 bis 2016 bereits 40 Millionen Euro zusätzlich bereitgestellt. Mit der Neuauflage stehen nun 15 Millionen Euro mehr zur Verfügung, und der Fokus verschiebt sich auf die Förderung von Start-ups. Die 55 Millionen sind bereits im Doppelhaushalt vorgesehen, die eine Hälfte kommt aus dem Hochschulpakt, die andere aus Landesmitteln.

Vier Schwerpunkte setzt der Senat mit dem neuen Programm: Um die Abbrecherquote zu senken, werden 19 Millionen Euro eingesetzt. Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sollen mit 10,6 Millionen Euro verbessert werden: So sollen 60 unbefristete Stellen für wissenschaftliches Personal in der Lehre und 50 unbefristete Stellen im Mittelbau entstehen. Unternehmensgründungen sollen mit 12,3 Millionen Euro unterstützt werden, unter anderem durch Stipendien. Chancengleichheit bleibt als vierter Baustein bestehen.

Die Berliner Hochschulen teilen sich das Geld: Rund 8,8 Millionen Euro erhält die Freie Universität, gefolgt von der HU (8,5 Millionen) und der Technischen Universität (8,2 Millionen). Den Rest teilen sich sieben weitere Einrichtungen.

»Dass mit dem Programm ein Problem gelöst worden wäre, wäre übertrieben«, sagt Thorsten Metter, Senatssprecher für Wissenschaft. Dafür gäbe es eine zu große Anzahl befristeter und prekärer Beschäftigungen in der Wissenschaft. »Da muss mehr Geld fließen, von wem auch immer.«

Anja Schillhaneck, Sprecherin für Wissenschaft bei den Grünen, nennt die Pressekonferenz »Wahlkampfaktionismus«. Zwar sei es gut, dass die Senatorin nun Geld in die Hand nehme, es müsse jedoch eine öffentliche Debatte darüber geben, wie die Gelder verwendet werden. Sie selbst sei im Wissenschaftsausschuss nicht darüber informiert worden. »Mit wem hat Scheeres geredet? Mit den Studenten?« Außerdem kritisiert Schillhaneck, dass es wieder Sondermittel seien, die die Universitäten unterstützten: »Die Gelder gehören in die Grundfinanzierung.« Die Grünen wollen die Grundfinanzierung in den Hochschulverträgen gesichert sehen. Dort sei zuletzt nur ein Drittel der Gelder für die grundlegende wissenschaftliche Arbeit vorgesehen, alles andere werde leistungsbezogen vergeben. »Das muss wieder in ein gesundes Verhältnis.«

Auch Wolfgang Albers, Sprecher für Wissenschaft bei den LINKEN, begrüßt die zusätzlichen Gelder. Dass nun Start-ups gefördert werden, sei jedoch nichts Neues und eine Reaktion auf die langjährige Forderung der Hochschulen. Er hofft, dass die Gelder zur Verbesserung der Lehre auch dazu führten, »dass ein Dozent nicht mehr 200 Studenten sondern vielleicht nur noch zehn bis 20 gegenübersteht«. Auch die prekären Beschäftigungsverhältnisse im Mittelbau zu verbessern wären »ein Schritt in die richtige Richtung«.

Um bessere Arbeitsverhältnisse geht es auch André Pollmann, Gewerkschaftssekretär der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di: »55 Millionen Euro klingen viel. Aber bei 10 000 Stellen in der Wissenschaft relativiert sich das.« 90 Prozent dieser Stellen seien befristet, die Hälfte der Beschäftigten übe Aufgaben aus, die von Dauer seien und daher dauerhaft angelegt werden sollten. Pollmann fordert deshalb eine langfristige Personalentwicklungsplanung. »Bisher gibt es hauptsächlich Promotion und Professur. Der Weg dazwischen muss gestaltet werden.«

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