Und plötzlich fehlen hunderte Millionen Euro

Der staatlichen Bremer Landesbank droht neuer Landesbank-Skandal

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
Dem klammen Stadtstaat Bremen droht ein finanzielles Desaster oder der Verlust seiner Hausbank nach Hannover.

Bislang galt die Bremer Landesbank (BLB) als Inbegriff des Soliden. Und hob sich damit von anderen staatlichen Instituten wie HSH Nordbank oder BayernLB ab. »Langweilige Geschäfte sind gute Geschäfte.« Das Zitat von Vorstandsboss Stephan-Andreas Kaulvers wurde zum geflügelten Wort in der deutschen Finanzszene.

Doch plötzlich fehlen hunderte Millionen Euro. Dem öffentlichen Geldhaus droht in diesem Jahr ein Verlust in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe. Gemessen an der Größe der Bank - das Geschäftsvolumen beträgt »nur« 32 Milliarden Euro - ist diese Summe dramatisch. Bremer Medien berichten von fehlenden Reserven. So könnte das »Missmanagement« letztlich zulasten der Steuerzahler gehen. Die Republik habe nach Jahren scheinbarer Ruhe wieder einen »Landesbank-Skandal«.

Ausgelöst haben die Ad-hoc-Meldung der BLB verschärfte Regeln durch die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank. Noch im April schien die Welt an der Weser in Ordnung. Doch sechs Wochen nach der Bilanz-Pressekonferenz ist die Rede von »bislang nicht eingeplanten Einzelwertberichtigungen auf das Schiffskreditportfolio in Höhe eines hohen dreistelligen Millionenbetrages«.

Woher kommt diese Berichtigung? Die Landesbank hat nach eigenen Angaben 6,5 Milliarden Euro an Schiffskrediten in ihren Büchern. An der Weser spricht man von »anhaltend schwierigen Marktbedingungen«. Im Boomjahr 2008 gab es für einen mittelgroßen Frachter etwa 30 000 Dollar Miete am Tag - heute beträgt die Tagesrate weit unter 10 000 Dollar.

Schuld am Ratenverfall sind Reeder, Investoren und Banken, die in den Boomjahren mehr und größere Schiffe bauen ließen. Nach der zwischenzeitlichen Erholung des Welthandels sanken die Frachtraten vieler Schiffstypen seit Herbst wieder drastisch.

Eine Folge sind leckgeschlagene Reedereien. Hapag-Lloyd, Deutschlands Nummer eins, versucht sich durch einen Zusammenschluss mit der arabischen UASC über Wasser zu halten. Viele kleinere Reedereien und Schiffsfonds, die wenige Frachter besitzen, sind untergegangen. Mit teils existenzgefährdenden Folgen für die finanzierenden Banken. In Deutschland traf die hausgemachte Schifffahrtskrise besonders hart die HSH Nordbank - bis dahin weltweit größter Schiffsfinanzier.

Globalisierung sowie Großmannssucht von Managern und Politikern haben den einst als regionale Förderer gedachten Landesbanken schwer geschadet. WestLB und SachsenLB wurden zerschlagen. Die lange fast allmächtige BayernLB musste vom Freistaat mit zehn Milliarden Euro gerettet werden. Und auch Baden-Württemberg wendete Milliarden für seine Landesbank auf.

Das werde in Bremen nicht nötig sein, hofft der rot-grüne Senat von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Der Zwei-Städte-Staat hält über 41 Prozent der BLB. Mehrheitseigentümer ist die Norddeutsche Landesbank in Hannover. Bankboss Kaulvers hält die Verluste seiner BLB für »beherrschbar«.

Ein neuer Landesbankskandal sei das nicht, meint allerdings der Bremer Ökonom Rudolf Hickel. »Windige Spekulationsgeschäfte, Steueroasen, Cum-Cum- und Cum-Ex-Geschäfte waren und sind für die BLB absolute Tabus.« Allerdings seien die Probleme »bedrohlich«.

Um die Verluste auszugleichen, benötigt die Mittelstandsbank nun neues Eigenkapital. Das könnte die Mehrheitseigentümerin NordLB bereitstellen. In Bremen will man aber verhindern, zu einer reinen Zweigstelle der Niedersachsen zu werden.

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