Kriegsschauplatz Theaterraum

In Wiesbaden inszenierte Vasily Barkhatov Bernd Alois Zimmermanns Oper »Die Soldaten«

  • Von Stefan Amzoll
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Das Publikum hat bei dieser atemberaubenden Inszenierung keine andere Wahl, als die Ränge und die Bühne zu besetzen. Der übrige Platz gehört dem Waffengeklirr, den Schreien der Verwundeten, der Totenruhe und dem Mord.

Unerhört dieser Wurf. Er erschütterte das Haus des Wiesbadener Staatstheaters. In Bernd Alois Zimmermanns Oper »Die Soldaten« ist Marie die Verlorene, die für sämtliche Verlorene im heillosen Weltgefüge steht. Einprägsame Theaterbilder markieren ihren Sturz vom verliebten Bürgermädchen zur verlassenen, getretenen Kreatur.

Kühn allein die Konstruktion der verschiedenen Spielebenen im Raum. Bühnenbildner Zinovy Margolin leistete Sensationelles. Alle starre Optik, Musiktheater zu sehen und zu hören, fegte er hinweg. Das will - richtig gelesen - die Partitur auch so. Opernungemäß schon die Positionen. Als wäre es eingesperrt, agiert das Sängerpersonal sukzessive in Logen, auf Balkonen, auf Sesselreihen, in militanten Situationen. Sängerinnen und Sänger teilen das Opernhaus gleichsam unter sich und gegeneinander auf. Marie (Gloria Rehm), zwar Vater und Schwester im Rücken, gerät immer mehr in Bedrängnis. Sie ist nicht unwillig, umgarnt...


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