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Draußen vor der Tür

Latchinian entlassen

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 3 Min.

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Alles war vorbereitet: Monatelang hatte sich das Ensemble der Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT) auf die Premiere von »Sex und Liebe« am Volkstheater der Hansestadt gefreut - eine Kompilation der Shakespearestücke »Ein Sommernachtstraum« und »Romeo und Julia«. Nun, wenige Tage bevor sich der Vorhang hätte öffnen sollen, steht das Projekt auf der Kippe. Denn für den Regisseur, zugleich Intendant des Volkstheaters Rostock, senkte sich am Montagabend nach langen Querelen endgültig der Vorhang: Die Rostocker Bürgerschaft entließ Sewan Latchinian - fristlos. Mit dem scheidenden Generalintendanten des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, Joachim Kümmritz, steht bereits der Nachfolger fest.

Gegenüber »Deutschlandradio Kultur« zeigte sich Latchinian am Dienstag »sprachlos ob dieser politischen Intrige«. Noch am Montagabend habe er seine Schlüssel abgeben müssen. Er dürfe das Haus nun nicht mehr betreten. Der Hauptausschuss der Bürgerschaft war einem Antrag der Fraktion »Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09« gefolgt. Deren Vorsitzende Sybille Bachmann amtiert auch als Aufsichtsratsvorsitzende des Theaters und begründete den Schritt damit, dass Latchinian die »Verschwiegenheitspflicht verletzt« habe. Interna seien nach außen gedrungen. Zudem habe er die Umstrukturierung des Volkstheaters blockiert, indem er die Präsentation des Plans für die nächste Spielzeit immer wieder verschob.

Latchinian war 2014 mit dem erklärten Ziel als neuer Intendant des schon damals finanziell angeschlagenen Hauses angetreten, alle vier Sparten dauerhaft aufrecht zu erhalten. Auf der Gegenseite positionierte sich von Beginn an Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), der die Sparten »Schauspiel« und »Tanztheater« auflösen wollte. Im zähen und öffentlich ausgetragenen Ringen um den Erhalt der Sparten kam es letztlich zu einem Kompromiss, der vorsah, dass der Etat künftig stabil bleiben, zugleich aber beim Erwachsenenschauspiel nur noch Gastspiele und Kooperationen zulässig sein sollten.

Noch Ende Mai äußerte sich Latchinian im Interview mit dem Rostocker Journalisten Frank Schlößer unzufrieden mit der Kompromisslösung: »Alle Grundlagen meines Vertrages sind mir entzogen worden. Man hat mich als künstlerischen Intendanten überflüssig gemacht.« Trotzdem wollte er seinen noch bis 2019 datierten Vertrag erfüllen, hatte nach eigenem Bekunden sogar drei eigene Inszenierungen für die Saison 2016/17 geplant.

Jetzt, sagte der 55-Jährige gegenüber »Deutschlandradio Kultur«, müssten Gerichte klären, »was hier in den letzten zwei Jahren passiert ist«. Klar ist derzeit nur, dass es wohl kein Zurück mehr geben wird für den Mann, auf dessen Person sich die Debatte fokussiert hatte. Wie es mit den im Repertoire befindlichen Produktionen weitergeht, an denen Latchinian beteiligt ist, steht in den Sternen. Die HMT-Rektorin Susanne Winnacker hat ihm zumindest zugesichert, dass »Sex und Liebe« auch in ihren Räumen notfalls über die Bühne gehen könne.

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