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Gut gerüstet fürs große Ziel

Die EM-Gastgeber erfreut das gewachsene Selbstvertrauen nach dem 0:0 gegen die Schweiz

  • Von Christoph Ruf, Lille
  • Lesedauer: 3 Min.

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Als Gruppensieger hat sich Frankreich fürs Achtelfinale qualifiziert. Die defensiven Schwächen wurden kompensiert, Trainer Deschamps wähnt sein Team gut gerüstet fürs große Ziel.

Didier Deschamps ist nun schon so lange im Amt, dass er die meisten französischen EM-Journalisten persönlich kennt. Viele duzt er, einigen gibt er auch mal zu verstehen, dass er ihre Fragen für ahnungslos hält. Das Verhältnis des Nationalcoachs zur Presse ist also völlig intakt. Am Sonntagabend, kurz vor Mitternacht, ließ Deschamps nach dem 0:0 gegen die Schweiz dennoch keinen Zweifel daran, dass er froh ist, nun ein paar Tage keinen Reporter sehen zu müssen: »Bis Sonntag«, sagte er zum Abschied. Und lächelte zum ersten Mal an diesem Abend.

Erst am kommenden Wochenende wird Frankreich also sein nächstes Spiel bestreiten, das Achtelfinale. Gegner wird der beste Dritte aus den Gruppe C, D oder E sein. »Dann beginnt ein anderer, ein zweiter Wettbewerb«, freute sich auch Mittelfeldmann Yohan Cabaye.

Qualifiziert hatte sich der Gastgeber durch ein Remis gegen die Schweiz, die damit zum ersten Mal in ihrer Geschichte ebenfalls die Vorrunde einer Europameisterschaft überstanden hat. Und das, obwohl sie das ganze Spiel über nur einen Torabschluss zustande gebracht hatte. »Die Schweizer hatten eine gute Ballkontrolle«, fand Deschamps. »Aber sie waren nicht gefährlich.« Das war das eigene Team durchaus. Frankreich hatte auf dem katastrophalen Rasen in Lille mindestens vier richtig gute Möglichkeiten, allein Paul Pogba hätte zwei Tore schießen können. »Wir hatten heute mehr Lockerheit in unseren Aktionen als zuvor«, lobte dann auch Dimitry Payet, der nach seiner Einwechslung ein gutes Spiel zeigte.

Dass Frankreich auch gegen stärkere Gegner als es Rumänien und Albanien waren, immer wieder zu Chancen kommt, war dann auch eine von zwei wichtigen Erkenntnissen aus Sicht der Franzosen. Die andere ist, dass die offensive Wucht nicht automatisch auf Kosten der defensiven Stabilität gehen muss. Das ist auf dem Weg zum EM-Titel, dem unausgesprochenen Ziel der Franzosen, eine ungeheuer beruhigende Erkenntnis. »Wenn wir nicht treffen, kassieren wir trotzdem keine Tore«, bilanzierte Deschamps. »Das ist wichtig.«

Dabei gehört die Viererkette um Bacary Sagna, Laurent Koscielny, Adil Rami und Patrice Evra sicher nicht zum Besten, was diese EM zu bieten hat. In einer tendenziell etwas zu alten Mannschaft sind die vier Abwehrleute zusammen 128 Jahre alt. Doch insgesamt verteidigen sie in diesem Turnier weit besser als in der Vorbereitung, auch weil die Offensiven wie Pogba oder Antoine Griezmann konsequenter nach hinten mitarbeiten. Vor allem, weil die lange verloren geglaubte Balance zwischen Offensive und Defensive mittlerweile wiederhergestellt ist, kam Frankreich mit zwei Punkten Vorsprung weiter, als souveräner aber nicht unbedingt glanzvoller Gruppenerster. Andererseits: Welche Mannschaft könnte in diesem merkwürdig ausgeglichenen Turnier bislang von sich behaupten, dass sie mehr Glanz und Gloria verbreitet hätte als die Equipe von Deschamps?

Der französische Trainer, der nach eigenem Bekunden bislang fast jedes EM-Spiel über 90 Minuten gesehen hat, hat nun ein paar Tage Zeit fürs Studium weiterer möglicher Gegner. Was er bisher gesehen hat, bestärkt ihn in der Einschätzung, dass sein Team bei diesem Turnier ganz gut im Rennen ist. »Es hieß ja immer, dass wir in einer so leichten Gruppe spielen. Aber ich wusste, dass das nicht stimmt. Wir sollten uns also erst mal darüber freuen, dass wir weitergekommen sind.«

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