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50 Jahre warten auf offizielle Reue

Contergan-Opfer erwarten Entschuldigung von Nordrhein-Westfalen

Düsseldorf. Ein halbes Jahrhundert nach dem Contergan-Skandal dringen die Opfer auf eine offizielle Entschuldigung des Landes Nordrhein-Westfalen für die damaligen Versäumnisse der Politik. »Eine Entschuldigung wäre eine Wertschätzung gegenüber dem Leid, das diese Menschen erfahren haben«, sagte der Vorsitzende des Interessenverbandes Contergangeschädigter NRW, Udo Herterich. »Es gibt eine moralische Verantwortung.«

Am Mittwoch stellt die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) in Düsseldorf den Betroffenen einen Forschungsbericht vor, in dem die Universität Münster die Rolle des Landes im Contergan-Skandal der 1960er Jahre untersucht hat. In dem bereits im Mai veröffentlichten Bericht stellen die Historiker im Ergebnis eine »Überforderung« des Staates fest, die aber nicht mit heutigen rechtlichen Maßstäben gemessen werden könne. Der Contergan-Hersteller Grünenthal hat seinen Sitz bei Aachen, weshalb damals die Zuständigkeit bei den NRW-Behörden lag.

Die Vorstellung des Berichts sei ein guter Anlass für die Landesregierung, sich bei den Geschädigten und deren Angehörigen verspätet zu entschuldigen, sagte Herterich. Der Verband kritisiert, dass Ministerpräsident Hannelore Kraft (SPD) laut dem geplanten Ablauf nicht zu der Begegnung kommen wird. Für die Betroffenen wäre diese Geste »von großer Wichtigkeit« gewesen, sagte Herterich. »Wenn Frau Kraft sich mit Angehörigen der Opfer der Loveparade-Katastrophe trifft, aber nicht mit uns, dann stimmt die Gewichtung nicht.« Grundsätzlich sei es aber »gut und wichtig«, dass es die Veranstaltung am Mittwoch gebe.

Der Contergan-Skandal habe als »weltweite Katastrophe« das Leben Tausender Menschen für immer verändert, betonte Herterich. Vor diesem Hintergrund sei es auch enttäuschend, dass sich die Bundesregierung nie offiziell entschuldigt habe.

Auch vom Pharmaunternehmen Grünenthal erwarten die Contergan-Opfer anlässlich der Vorstellung des Forschungsberichts »einen großen Schritt auf uns zu«. Grünenthal hatte sich 2012 erstmals bei den Opfern entschuldigt. Opferverbände weltweit kritisierten damals aber, das Unternehmen habe damit seine Schuld an dem Leid immer noch nicht klar eingeräumt. epd/nd

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