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Duftend schön, sündhaft teuer

Alexander Ludewig wundert sich über Kostspieliges in Paris

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

In der Pariser Nacht, wenn das 3. Arrondissement mit seinen vielen Bars, Cafés und Kneipen in den Vierteln Le Bastille und Le Marais noch lange wach ist, kann man jederzeit Blumen kaufen. Hunderte Rosenverkäufer sind noch spät unterwegs und geben nicht auf. Wegschauen und Kopfschütteln hilft nicht. Nach dem zweiten »Non« wird die entscheidende Karte gespielt: »Aber das ist doch die Blume der Liebe«, sagt einer der Verkäufer und hält mir seinen schmalen Strauß roter Rosen direkt vors Gesicht. Trotzdem nicht!

»Le dernier verre!«Die Aufforderung der Kellnerin findet mehr Gehör. »Das letzte Glas!« wollen alle noch bestellen. Als dies ausgetrunken ist, geht’s nach Hause. Auf dem Heimweg sieht man ein paar Rosen in Händen von Männern oder Frauen, die große Schwierigkeiten haben, sie noch festzuhalten. Mit der Liebe wird’s in dieser Nacht wohl auch schwer. Immerhin hat der hohe Alkoholpegel den Blumenverkäufern ein paar Einnahmen beschert.

Generell sind die Pariserinnen aber verrückt nach Blumen. Eine Unbekannte kommt auf mich zu, schenkt mir ihr schönstes Lächeln und sagt: »Oh, merci!« Ein charmanter Scherz. Sie hatte den Strauß Pfingstrosen in meiner Hand entdeckt, den ich als kleines Geschenk gekauft habe. Die rosarote Blütenpracht lässt auch die Augen von vier Soldaten in Tarnuniform aufleuchten. Sie deuten erst auf ihre Waffen, dann auf meine Blumen und zuletzt auf ihre Kollegin, die schon die Arme ausgebreitet hat. Ich darf meine Blumen zum Glück behalten. Mit einem Augenzwinkern verabschieden wir uns.

Zugegeben: Die Pfingstrosen sind wirklich duftend schön. Und sie gehen herrlich auf, im Gegensatz zu manch enttäuschendem Kauf in Berlin. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum mein Strauß so begehrt ist. Ein Einzelexemplar kostet drei Euro - bei der Größe dieser Blumen wäre es für eine kleine Aufmerksamkeit noch eine vertretbare Ausgabe. Aber Pfingstrosen gibt es hier nur im Strauß, im kleinsten sind vier von ihnen gebunden.

Zwölf Euro: Sündhaft teure Pfingstrosen trage ich mit mir herum. Vielleicht sind von deren Anblick auch deshalb so viele hingerissen, weil bei diesen Preisen einfach zu wenig Blumen in Paris verschenkt werden.

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