Alternative gegen Europa

Fabian Lambeck über eine mögliche Rückkehr der AfD zu ihren Wurzeln

Man darf annehmen, dass die Worte, die AfD-Rechtsaußen Björn Höcke am Freitag fand, um das britische EU-Votum zu kommentieren, mit Bedacht gewählt waren. Das deutsche Volk wolle raus aus der »EU-Sklaverei«, behauptete der Thüringer Fraktionschef. Das erinnert an Joseph Goebbels, der die Deutschen von der »bolschewistisch-jüdischen Sklaverei« bedroht sah. Höckes Rhetorik ist nur ein weiteres Indiz für die zunehmende Radikalisierung der AfD.

Das Referendum führt die Partei auch zurück zu ihren Wurzeln. Von neoliberalen Ökonomen gegründet, war die einzige Forderung der Ur-AfD die Abschaffung des Euro und damit implizit auch die Desintegration der Europäischen Union. Nach dem Abgang der Gründungsväter um Bernd Lucke legte die Parteichefin Frauke Petry den Fokus auf Flüchtlinge und fuhr damit gute Wahlergebnisse ein. Doch seitdem die Geflüchteten nicht mehr zu Hunderttausenden kommen und die Hysterie in Deutschland sich etwas gelegt hat, steckt die AfD als »Ein-Themen-Partei« in einem Dilemma. Auch deshalb »präzisierte« die Parteispitze jüngst ihre fremdenfeindliche Ausrichtung und erklärte den Islam zum Hauptfeind. Radikale EU-Kritik, so dürfte manchem jetzt wieder klar werden, eignet sich genauso gut, die Stimmen der Unzufriedenen und Frustrierten einzusammeln.

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