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#NotInOurName: Ein Brexit gegen die Jüngeren

Enttäuschung, Empörung, Verzweiflung unter jungen Briten nach dem knappen Austrittsvotum / Über Hunderttausend unterschreiben Petition für Unabhängigkeit Londons

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Berlin. Das Votum für den Brexit war mit 51 zu 48 Prozent nicht nur knapp - es war vor allem eine Entscheidung der Älteren, wie die Auswertung von Daten über das Stimmverhalten gezeigt hat. Der Riss zwischen EU-Gegnern und Befürwortern entzweit die Generationen. Laut verschiedener Befragungen votierten vor allem Ältere für den Brexit. Bei den bis 24-Jährigen votierten 73 Prozent für den Verbleib, bei den bis 34-Jährigen waren laut von der Deutschen Presse-Agentur verbreiteter Zahlen 62 Prozent für »Remain« und bei den bis 44-Jährigen stimmte mit 52 Prozent auch eine Mehrheit gegen den Brexit. Erst in den Altersgruppen darüber war die Zustimmung für einen Ausstieg aus der EU in der Überzahl.

Der Ausgang des Referendums zog in den Sozialen Netzwerken eine Welle der Enttäuschung, Empörung, und ja: Verzweiflung nach sich. Viele Jüngere reagierten geschockt, Hashtags wie #ashamedtobebritish (Ich schäme mich, britisch zu sein) oder #WhatHaveWeDone (Was haben wir getan?) machten die Runde. Unter#NotInOurName (Nicht in unserem Namen) erklärten viele Menschen, welche Folgen ein Brexit für sie haben werde - zerstörte Zukunftsträume, Unsicherheit bei den Berufsbiografien. Der frühere Fußballstar Gary Lineker sagte, »wir haben unsere Kinder und deren Kinder im Stich gelassen.« Die Jüngeren müssten nun mit einem Desaster leben, meinten andere. Für große Zustimmung sorgte ein sarkastischer Post im Kurznachrichtendienst Twitter, in dem es schon kurz nach dem Bekanntwerden des vorläufigen Ergebnisses hieß: »Statistisch sind schon 950 der Brexit-Befürworter gestorben.«

In einem bewegenden Kommentar unter einem Beitrag der »Financial Times«, der im Internet viel Zustimmung fand, hieß es, es sei tragisch, dass vor allem die Arbeiterklasse für den Brexit gestimmt habe - diese sei zwar sozial und ökonomisch bisher am schlechtesten behandelt worden, sie werde aber auch die Folgen des Brexits am stärksten zu spüren bekommen. Sie hätten bloß eine entfernte Elite gegen eine andere ausgetauscht. Schwerwiegend sei aber auch, dass die Jüngeren mit dem Brexit um ihre Hoffnungen gebracht würden. Die Jugend habe das Recht verloren, in 27 anderen europäischen Staaten zu leben und zu arbeiten. Man werde nun nie mehr erfahren, welche Freundschaften, Ehen, Möglichkeiten und Erfahrungen dadurch zerstört wurden. »Die Bewegungsfreiheit wurde uns von unseren Eltern, Onkels und Großeltern weggenommen.«

Inzwischen haben sich über 110.000 Menschen einer Petition angeschlossen, mit der der Verbleib Londons in der EU gefordert wird. Die Unterzeichner - binnen weniger Stunden nach dem Brexit wuchs die Zahl schnell an - appellierten an den neuen Labour-Bürgermeister Sadiq Kahn, die Hauptstadt für unabhängig zu erklären und dann einen EU-Beitritt zu beantragen. Auch in London hatte eine deutliche Mehrheit für den Verbleib in der Europäischen Union gestimmt. In einer anderen Petition forderten Brexit-Gegner eine zweite Volksabstimmung zur EU-Mitgliedschaft. Mehr als 115.000 Menschen unterzeichneten bis zum frühen Freitagnachmittag die offizielle Eingabe, das Parlament muss das Anliegen für eine Debatte in Betracht ziehen, weil die Marke von 100.000 Unterzeichnern erreicht wurde. Die Petition war bereits Ende Mai gestartet worden, fand nach dem Brexit-Votum aber schnell neue Unterstützer. vk/mit Agenturen

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