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Dexit, Bexit, Frexit, Hexit

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Jetzt, nachdem die Engländer und Waliser sich mehrheitlich dafür entschieden haben, die Europäische Union zu verlassen und die Nordiren und Schotten, die das gar nicht wollen, gezwungenermaßen mit aus dem Staatenbund fliegen, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Austrittsbefürworter auch in anderen Ländern sich durchsetzen. Wer verlässt als nächster das sinkende Schiff Europa, um lieber selbstbestimmt unterzugehen? Die Niederlande? Dänemark? Polen? Man will sich nicht ausmalen, was das allein sprachlich für Konsequenzen hätte: Nexit, Däxit, Pexit.

Wie ohnmächtig man sich fühlt, wenn man von einer wohnortfernen, unnahbaren und bürokratischen Zentralverwaltung abhängig ist, auf deren Schalten und Walten man kaum Einfluss hat, obwohl es einem ständig ans Geld gehen soll, kann ich als Mieter allerdings nachvollziehen. Ganz so wie die Zwangsgemeinschaft meiner Nachbarn bin ich den ständigen Mieterhöhungsverlangen der Hausverwaltung, ihrer unerträglichen Untätigkeit bei dringenden Schadensfällen und ihrer impertinenten Ignoranz gegenüber jeglichem Versuch einer direkten oder indirekten Kommunikation hilflos ausgeliefert.

Wenn es nach mir ginge, würde ich eher heute als morgen den Austritt aus dieser Union erklären und meine vier Wände zum souveränen Gebiet erklären. Eine Mehrheit beim entsprechenden Referendum wäre um den Preis einiger Ehedispute sicherlich zu beschaffen. Zumal die Kinder ja noch nicht wahlberechtigt sind. In diesem Fall stolz von einem gelungenen Hexit oder Cexit zu sprechen (der Nachname meiner Frau beginnt mit »C«), wäre aber wohl nur dann gerechtfertigt, wenn uns im selben Zuge auch der Austritt aus allen anderen verwaltungspolitischen Abhängigkeitsverhältnissen gelänge.

Vermutlich wäre es unabdingbar, dafür zunächst den Dexit zu organisieren, also dafür zu sorgen, dass Deutschland die EU verlässt. Mit Hilfe einer entsprechenden Kampagne erscheint das mittelfristig nicht unmöglich. Als nächstes müsste Berlin sich für unabhängig von Deutschland erklären (Bexit). Kein Problem, denke ich. Dann sollte der Ostteil der Stadt sich auf die guten alten Zeiten besinnen und die Mauer wieder aufstellen (Oxit). Dafür finden sich nun ganz gewiss Leute. Der nächste Schritt wäre ein eigenständiger Friedrichshain (Frexit). Leicht! Und bevor mein Haus zur autonomen Zone erklärt wird, müssten Grenzposten an allen Kreuzungen unserer Straße aufgestellt werden (Strexit). Meine Jungs hätten Spaß daran.

Als wir letztens nach Hause kamen, saßen viele unserer Nachbarn gemeinsam im Hof, tranken, aßen, quatschten. Die Familie aus dem Erdgeschoss hatte spontan ein Fest organisiert. Wir gesellten uns dazu und staunten, mit was für interessanten, verrückten und freundlichen Leuten wir da seit Jahren Tür an Tür wohnten, ohne es zu wissen. Um eine echte Gemeinschaft zu werden, müssten wir nur noch das Haus in Besitz und die Verwaltung in die eigenen Hände nehmen. Aber, na ja.

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