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Apfelwein aus Goldparmäne

In Thüringen keltert ein Obstbauer sortenreine Weine aus Streuobstwiesen

  • Von Harald Lachmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Alexander Pilling aus dem ostthüringischen Röttelmisch keltert aus teils exklusiven Apfel- und Steinobstsorten erlesene Weine. Lob gibt es dafür selbst aus dem hessischen Äppelwoi-Land.

Obwohl es nur Streuobstwiesen sind, die Alexander Pilling bewirtschaftet, kann er allein bei Äpfeln auf gut 60 Sorten zurückgreifen. Vielleicht sollte man besser sagen, eben weil er einzig Streuobst erntet, ist die Vielfalt so groß - ergänzt um Quitten, Kirschen, Mirabellen und Pfirsiche. Denn der Reinstädter Grund zwischen Kahla und Jena, in dem er lebt, sei nicht nur »geografisch, geologisch und klimatisch für den Streuobstanbau prädestiniert«, diese Bewirtschaftungsform habe in der Region auch eine lange Geschichte, sagt er. Und dass dieser traditionelle Wirtschaftszweig seit den 1990er Jahren eine Renaissance erfährt, ist auch ein Verdienst des 52-jährigen. Denn schon lange engagiert er sich im Nebenerwerb für Streuobstanlagen - Neu- und Ersatzpflanzungen inbegriffen.

Inzwischen schuf sich der Thüringer, der beruflich mit EU-Förderprojekten beschäftigt ist, mit der Veredlung der Früchte auch eine exklusive Nische. Denn auf seinem alten bäuerlichen Anwesen keltert er sortenreine Apfelweine. Die Betonung liege dabei auf »sortenrein«, sagt er. Eben dies sichere ihm ein Alleinstellungsmerkmal. Wobei er den größeren Aufwand, den ihm dieses gründliche Sortieren abverlangt, eher notgedrungen betreibt. Denn vor Jahren von Freunden in Österreich auf die Geschäftsidee mit dem Apfelwein gebracht, merkte er seinerzeit bald: Allein über den Mengenpreis, der sich damit erzielen lässt, funktioniert das nie rentabel.

Zwar wandern nicht alle 60 Apfelspezialitäten von seinen Pachtwiesen jährlich als vergorener Saft in Flaschen. Dennoch ist sein aktuelles Sortiment beachtlich. So hat er aus der Ernte 2015 auch Exoten zu bieten, die meist nur noch Insidern geläufig sind: Apfelwein von der »Goldrenette von Blenheim« etwa, oder auch von den lokalen Sorten »Spätblühender von Bockedra« und »Junkerapfel«. Reicht in einem Jahr die eigene Erntemenge nicht, arbeitet Pilling mit anderen Bewirtschaftern regionaler Streuobstflächen zusammen. Jährlich produziere er damit rund 3000 Liter Obstwein, darunter auch sortenreiner Sauerkirsch-, Pfirsich- und Quittenwein sowie ein Verschnitt aus Quitte und der Apfelsorte »Laxton‘s Superb«.

Zur Internationalen Grünen Woche in Berlin beteiligte er sich jüngst erstmals auch am Gemeinschaftsstand des Vereins Thüringer Ökoherz mit Bio-Weinen. Extra hierfür ließ er sich zuvor zwei Hektar Streuobstwiese zertifizieren. Eine wesentliche Motivation: »Damit ist dann auch ein ganz anderes Preislevel möglich«, sagt Pilling.

Seine Apfelweine baut der Obstbauer durchweg trocken aus, verzichtet also konsequent auf Zugabe von Zucker. »Der würde nur das Apfelaroma überdecken!«, begründet er dies. Mit demselben Argument süßt er auch die Vielzahl an ebenfalls sortenreinen Apfelsäften nicht nach, die er nebenher noch produziert. Lediglich die aus Steinobst gewonnenen Säfte und Weine haben zum Teil eine liebliche Note.

Latent arbeitet der Thüringer daran, das Sortenspektrum zu erweitern, etwa um Met. Den Honig dafür kauft er bei Imkern, die mit ihren Völkern auch seine Wiesen anwandern und denen er zum Teil individuelle sortenreine Honigweine keltert.

Auch regionale Lokale führen Pillings Weine. Und dass er etwas Erlesenes zu bieten hat, bestätigte ihm sogar eine Zeitung aus dem hessischen Äppelwoi-Land: Als die »größte Überraschung« empfanden deren Tester, als sie auf einer Erkundungstour ostdeutsche Weinbaugebiete bereisten, die drei Apfelweine, die ihnen in Röttelmisch kredenzt wurden: »Reinsortige aus Goldparmäne, Boskoop und Gloster. Solche kristallklaren, feinsinnigen, aromatischen und die Frucht wunderschön präsentierenden Apfelweine sind selbst für einen mit diesem Urgetränk groß gewordenen Frankfurter ein Ereignis. Anders als die Erzeugnisse unserer besten Keltermeister erscheinen die von Alexander Pilling filigraner und eleganter und erinnern eher an die Produkte des französischen Schaumweinmeisters Eric Bordelet«, heißt es dort.

Als zweite Schiene betreibt der Thüringer übrigens Lohnmosterei, wobei er seinen Kunden auch hierbei strenge Sortenreinheit garantiert: »Wer mir seine Äpfel oder sein Steinobst bringt, kann sicher sein, dass er dann auch wirklich den eigenen Saft daraus erhält«, beteuert er.

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