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Ein offenes Geheimnis verfällt in der Wüste

Bei einer Ultraschalluntersuchung des israelischen Nuklearreaktors in Dimona wurden 1537 Mängel festgestellt

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Israels Nuklearreaktor in Dimona ist am Bröckeln; mehr als 1500 Mängel soll die Anlage aufweisen. Derweil steht der einstige Whistleblower Vanunu erneut vor Gericht.

Israels einziger Nuklearreaktor ist das wohl am besten ungehütete Geheimnis der Welt: Mitten in der Wüste gelegen, kann man schon aus der Ferne die typischen Umrisse eines Atommeilers erkennen. Bis zu 200 Atomsprengköpfe sollen hier seit den 60er Jahren hergestellt worden sein, heißt es immer wieder in ausländischen Medien, während Israels Regierung den Besitz von Atomwaffen traditionell weder bestätigt noch dementiert.

Mordechai Vanunu, jener Nukleartechniker, der 1986 den Umfang des israelischen Waffenprogramms öffentlich gemacht und dafür 18 Jahre lang im Gefängnis gesessen hat, steht nun erneut vor Gericht. Er soll, so die Anklage, in einem Interview mit dem israelischen Fernsehsender »Kanal 2« Staatsgeheimnisse verraten haben; die Informationen seien vor der Ausstrahlung von der Militärzensur herausgeschnitten worden. Außerdem habe Vanunu ohne Erlaubnis die Wohnung gewechselt und mit Ausländern gesprochen.

Die Auflagen gegen Vanunu wirken absurd; auch Staatsanwälte räumen ein, dass vor allem das Verbot, mit Ausländern zu sprechen, kaum einzuhalten ist. In Israel ist sehr oft unklar, ob ein Gesprächspartner die israelische Staatsangehörigkeit besitzt. Trotzdem werden die Auflagen damit begründet, dass Vanunu auch 30 Jahre nach den Veröffentlichungen noch Staatsgeheimnisse kenne. Er selbst sagt, was er wisse, sei bereits vor Jahren in ausländischen Medien veröffentlicht worden.

Gleichzeitig wird auch in israelischen Medien immer öfter über die Anlage von Dimona berichtet, wird die Geheimhaltung auch von Politikern angezweifelt. »Das öffentliche Interesse ist groß,« sagt Avichai Cohen vom Sender »Kanal 10«. »Vor allem nach Fukushima wollen die Menschen wissen, was sie da vor ihrer eigenen Haustür haben.«

Einen Blick auf die Antwort erlaubt nun das Ergebnis einer Ultraschalluntersuchung der Anlage, die der Zeitung »Haaretz« zugespielt wurde: 1537 Mängel haben die Wissenschaftler dabei gefunden; viele davon seien nicht zu reparieren. Bei den meisten Mängeln handele es sich um normale Verschleißerscheinungen; Risse, die zu einer radioaktiven Verstrahlung führen könnten, gar eine Kernschmelze seien nicht zu befürchten. Aber: 1963 in Betrieb gegangen, hat der Reaktor seine maximale Laufzeit von 40 Jahren schon lange überschritten. »Niemand kann sagen, was mit einer Anlage nach so langer Zeit passiert und welcher Verschleiß in der Zukunft bedrohlich werden könnte«, sagt ein Sprecher der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA.

Deshalb fordern israelische Wissenschaftler, aber auch Politiker eine bessere Kontrolle der Anlage: »In jedem Fall müssen Regierung und Nuklearkommission jetzt endlich die Karten auf den Tisch legen«, fordert Meir Cohen, Abgeordneter der zentristischen Zukunftspartei und ehemaliger Bürgermeister von Dimona. »Es darf nicht sein, dass aus Gründen der nationalen Sicherheit die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt wird. Wir haben ein paar Leute, die von ein paar anderen Leuten damit beauftragt worden sind, zu überprüfen, was dort passiert, aber niemandem etwas davon erzählen dürfen.« Auch Jitzhak Herzog, Vorsitzender des links-zentristischen Parteienbündnisses Zionistische Union mahnt an, wenigstens die Abgeordneten müssten über den Zustand der Anlage informiert werden. Und mehrere Abgeordnete des konservativen Likud verlangen in einem Brief, die Anlage, die offiziell nur zu Forschungszwecken da ist, einfach abzuschalten: Man habe bis heute kein Argument dafür präsentiert bekommen, dass die Anlage notwendig sei.

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