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Auch Tränen treten aus

Andreas Koristka grübelt darüber, ob es mehr Vorteile oder mehr Nachteile hätte, dass Deutschland in der EU bleibt

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nach dem EU-Referendum ist die Stimmung in Großbritannien gedrückt. Zwar ist man endlich frei von der Brüsseler Regulierungswut und darf im Vereinigten Königreich wieder nach Lust und Laune alle möglichen und unmöglichen Lebensmittel frittieren, auf der falschen Seite Auto fahren und ohne eine Verhaftung wegen Hexerei zu fürchten, seine roten Haare zur Schau stellen, doch die wirtschaftlichen Auswirkungen des Votums sind auch spürbar. Nach dem Einbruch des Britischen Pfunds sind beispielsweise Gewürze so teuer geworden, dass man landesweit komplett auf sie verzichtet und der professionelle Kricketsport leidet so sehr unter dem kommenden Austritt, dass sich im Ausland kein Schwein mehr für ihn interessiert.

Doch Großbritannien ist ein hoch entwickeltes Land mit einer fähigen politischen Elite. In London hat man deshalb die lange Zeit im Vorlauf des Entscheids genutzt, um sich akribisch vorzubereiten. Man hat Experten und führende Wissenschaftler beauftragt und gemeinsam einen Fahrplan für den Brexit ausgetüftelt, der jetzt minutiös umgesetzt wird. Er besagt, dass Premierminister David Cameron bis Oktober irgendwie weiterwurschtelt. Danach wird man sehen …

Die Europaabgeordnete der AfD Beatrix von Storch ist sehr amused ob dieser Entwicklungen. Laut eigener Aussage hat sie vor Freude über den Brexit sogar geweint. Wahrscheinlich ist, dass sie im eigenen Freudentränenmeer hinwegschwömme wie einst die Britannia, wenn Deutschland es Großbritannien gleich tun würde. Zurecht, denn die Chancen für unser Land wären einzigartig. Zunächst würde zwar die Wirtschaftskraft sinken, weil der deutsche Export nicht mehr die anderen EU-Staaten aussaugen könnte. Aber in der Folge würde Deutschland für Wirtschaftsflüchtlinge weit weniger attraktiv sein. Die Zahl der Neuankömmlinge würde also auch ohne ein Abkommen mit der Türkei weiter sinken. Zudem müsste der europäische bürokratische Wasserkopf, der so nutzlose Existenzen wie die der Europaparlamentsabgeordneten Beatrix von Storch ermöglicht, nicht mehr von Deutschland mitfinanziert werden.

Natürlich gäbe es auch nicht ganz so erfreuliche Entwicklungen: Europafreundliche Regionen wie Hamburg, Berlin und die Sächsische Schweiz dürften sich in der Folge von der BRD abspalten, um weiterhin in der EU zu bleiben. Aber wer könnte nicht auf sie verzichten?

So weit so schön. Dennoch liegen dort, wo die Chancen besonders groß sind, leider auch immer große Gefahren. Denn niemand weiß, wie Jean-Claude Juncker auf einen Austritt Deutschlands reagieren würde. Vielleicht könnte er nach ein bis zwei Fernet-Branca-Fässchen überreagieren und im Zorn Günther Oettinger mit sofortiger Wirkung nach Deutschland zurückschicken. Und zwar ohne dass wir uns darauf vorbereiten könnten! Dann würde der EU-Kommissar für digitale Wirtschaft uns aber zeigen, wo die Excel-Tabelle das Summenzeichen hat. Ob unser Land stark genug ist, solch ein Szenario zu überstehen, ist laut Einschätzung einiger Systemadministratoren fraglich.

Vielleicht wäre es also doch ratsam, wenn Deutschland in der Europäischen Union bliebe. Sicherlich, in vielen Dingen ist die Staatengemeinschaft eine Farce. Eine gemeinsame europäische Armee, die die Mitglieder mit Waffengewalt vom Austritt abhält, gibt es zum Beispiel bis heute nicht. Und auch das Europäische Parlament ist machtlos und hat keine echte Entscheidungsgewalt. Doch ist eine Kritik an der EU oft auch billiger Populismus. Es ist eben leichter, über den Lobbyismus, den Filz und die Korruption in Brüssel zu meckern, als einen dreifachen Rittberger auf einem Drahtseil zu springen, das über einen 300 Meter tiefen Abgrund gespannt ist, während man alle Strophen von »Jetzt fahrn wir übern See« singt und gleichzeitig drei brennende Löwen jongliert. Darüber sollte man von Zeit zu Zeit denken, wenn man mal wieder Europa kritisiert.

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