Eine beschissene Insel

Die Feuilleton-EM-Kolumne

  • Von Jacinta Nandi
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Seitdem ich in Deutschland wohne, versuche ich immer, für Deutschland zu sein - es sei denn, sie spielen gegen England. Aber die Wahrheit ist: Heimlich freue ich mich und tief in mir tanzt Freude, wenn sie verlieren. Ich weiß nicht, warum, ist aber so. 2008 nach der deutschen Niederlage stand ich auf einem Balkon in Kreuzberg, hatte Deutschland-Schminke auf dem Gesicht und Deutschland-Blumen in den Haaren, überall um mich herum waren traurige Deutsche. Und ich musste mich konzentrieren, um nicht zu strahlen. Ich fühlte mich so, als ob mein Herz vor Glück explodieren würde.

Bald spielt England gegen Island, in einer halben Stunde geht›s los. Das erste Spiel nach dem Brexit. Ich will‹s mir nicht angucken. Ich kann mich nicht freuen über etwas, das so viele Arschlöcher beglücken wird. Dass England gewinnt, ist sowieso klar.

Mein Papa ruft aus England an: Er will, dass ich mich bei einer Tante entschuldige. Weil ich beleidigt dar...


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