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Kreativer Ort mit Riesenrad

Senat will den Spreepark mit Kunst und Kultur wieder wachküssen

Der Dornröschenschlaf des ehemaligen Freizeitparks ist bald beendet. Bürger sollen über die Zukunft mitentscheiden.

Das weithin sichtbare Riesenrad des Spreeparks dreht sich im Wind und sorgt quietschend für eine schaurige Geräuschkulisse. Es ist schon viele Jahre her, dass es zum letzten Mal geölt wurde. Auf der Wasserfläche, die es umgibt, schwimmt dick Entengrütze. Ein Frosch hüpft herum . »Eigentlich ist dieser Ort ein Mysterium«, sagt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). »Wir wollen ihn wachküssen.«

Seit vielen Jahren liegt das weitläufige Areal in einem Dornröschenschlaf. »Wir wollen jetzt die Menschen fragen: Was wollt ihr damit anfangen«, kündigt Geisel an. Ein paar Vorgaben hat er allerdings schon. Es soll kein Standort werden, der bebaut wird und auch kein Wald. »Unsere Vorstellung: Es soll ein Ort für Kreativität, Kunst und Kultur werden«, so der Senator. Zehn Millionen Euro stehen momentan zur Verfügung. Sie stammen aus dem Sondervermögen Infrastruktur Wachsende Stadt (SIWA), jenem Fonds, in den die Hälfte der Haushaltsüberschüsse fließt.

Sieben Millionen Euro fließen in die aufwändige denkmalgerechte Sanierung des Eierhäuschens. Das ehemalige Ausflugslokal am Rand des Parkgeländes soll 2018 wieder Gastronomie beherbergen. »Dort entstehen auch Ateliers«, sagt Geisel. Artists in Residence sollen hier unterkommen, also Künstler, die nicht aus Berlin stammen und für einen gewissen Zeitraum ein Arbeitsstipendium bekommen. »Die Künstler sollen ihre Ateliers öffnen für interessierte Besucher«, wünscht sich der Senator. Das Grundkonzept erarbeitete der Kunst- und Medienmanagementprofessor Klaus Siebenhaar.

Drei Millionen Euro wurden für das Freizeitparkareal bereitgestellt. Die erste Million ist schon weg, sie wurde in die Verkehrssicherung des Geländes gesteckt. Alles, was eine Gefahr für Besucher darstellt, wurde entweder so gesichert, dass es nicht mehr betreten werden kann oder abgerissen. Auch die zweite Million wird für die Verkehrssicherung des Areals draufgehen. »Allein die Entsorgung von tonnenweise Unrat kostet über 300 000 Euro«, sagt Geisel. Mit der dritten Million werden Reparaturen und Projekte bezahlt. »Wir möchten gerne das Riesenrad wieder in Gang setzen. Und erste Prüfungen ergaben, dass es geht«, sagt Geisel. Einen mittleren fünfstelligen Betrag wird das kosten.

»Es laufen immer noch die Bestandsaufnahmen, was erhalten werden kann«, sagt Christoph Schmidt, Geschäftsführer der landeseigenen »Grün Berlin«, die sich seit November 2015 um das Areal kümmert. »Man lässt die Zitate der Vergangenheit stehen und bringt sie in einen neuen Kontext«, so der Plan. Geprüft werde auch, ob die Parkeisenbahn wieder flottgemacht werden kann.

An diesem Freitag startet auch die erste Runde der Bürgerbeteiligung. Offene Werkstattgespräche finden zu den Themen Kunst und Kultur, Stadtentwicklung, sowie Tourismus und Umwelt statt. »Es gibt ein eindeutiges Dialogverfahren: Die Bürger müssen sich anhören, was Herr Geisel denkt«, sagt Katalin Gennburg, LINKEN-Direktkandidatin in Treptow-Köpenick bei der Abgeordnetenhauswahl. Sie bezeichnet es als Farce, dass die Bürgerinitiative Pro Plänterwald im Vorfeld nicht beteiligt wurde, »obwohl sie sich seit 25 Jahren mit dem Gebiet beschäftigt«. Die Initiative werde eingebunden, kündigt Geisel an.

Der Berliner Atelierbeauftragte Florian Schmidt kann verstehen, dass Bürger enttäuscht sind, wenn ein als ergebnisoffen bezeichneter Prozess bereits mit Vorgaben beginnt. »Politik muss aber manchmal einfach einen Rahmen setzen.« Er freut sich auch über die Ateliers, legt aber Wert darauf, dass weiterhin auch in der Innenstadt Ateliers gebraucht werden und kündigt Neubauten in Schöneberg und Tempelhof an.

Gennburg findet, dass hier die Bedürfnisse von Künstlern und Anwohnern gegeneinander ausgespielt werden. »Mies« sei das. Sie sieht auch einen Zusammenhang mit dem »Lollapalooza«-Musikfestival, das im September im nahe gelegenen Treptower Park stattfinden soll. »Am Ende steht die Inwertsetzung des ganzen Stadtquartiers«, sagt sie.

»Der Park ist ein Ort für Ateliers für Künstler, die aus der Innenstadt verdrängt wurden«, sagt Andreas Geisel, »kein Ort für Kommerz.«

Erster Bürgerdialog: 1. 7. von 16-20 Uhr in der Werkstatthalle Kiehnwerderallee

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