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Wer wird Nachfolger von David Cameron?

Favorit Boris Johnson zieht überraschend zurück / Fünf weitere Tories kämpfen um das Amt des Premierministers

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 3 Min.

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Er galt als großer Favorit, doch weil ihm Weggefährten die Unterstützung entzogen, gab Boris Johnson im Rennen um die Cameron-Nachfolge auf. Fünf Kandidaten bleiben. Gewinnen könnte ausgerechnet ein früherer Mitstreiter Johnsons.

Zur allgemeinen Überraschung hat der führende Kopf der Vote-Leave-Kampagne erkannt, dass er »nicht das Zeug hat, um das Land zu führen«. Trotz durchwachsener Leistung als Londons Oberbürgermeister galt Boris Johnson als Paradiesvogel seiner Partei: ob für die Medien inszeniert auf dem Fahrrad unterwegs, von einer Seilrutsche über dem Olympia-Gelände hängend, oder als Show-Gast Witze reißend, der Mann und sein Ehrgeiz waren nie zu übersehen. Nun hat ihn jedoch Brexit-Mitstreiter Michael Gove durch entzogene Unterstützung und eigene Kandidatur den sicher geglaubten Sieg im Rennen um das Amt des Premierministers entrissen. Prominente Johnson-Freunde signalisierten, den Rivalen zu unterstützen. Johnson trat daher entnervt von seiner Kandidatur zurück.

Damit bleiben fünf KandidatInnen im Rennen. Der 48-jährige Gove, wie Johnson ein früherer Times-Journalist, ist gebürtiger Schotte und war von 2010 bis 2014 Bildungsminister. Sein Kampf um Schulprivatisierungen (»academies«) sowie die Kritik an Lehrern ließ ihn bald trotz beeindruckender Konkurrenz zum meistgehassten Cameron-Minister aufsteigen. Der Premier nahm ihn kurzfristig aus der Schusslinie, beförderte ihn aber nach gewonnener Wahl 2015 zum Justizminister und war geschockt, als sein Freund sich als Brexiter erwies. Jetzt pflastern zwei politische Leichen Goves Weg – Cameron und Johnson - aber ein Premier muss ein guter Metzger sein. Mindestens fünfmal hat Gove zugegeben, ihm fehle das Format für das höchste Amt; ab September kann sich das vielleicht als weise Selbsteinschätzung herausstellen.

Die zweite aussichtsreiche Kandidatin ist die derzeitige Innenministerin Theresa May (59). Anders als Gove trat sie im Abstimmungskampf für Remain auf, verlangte jedoch, dass Großbritannien aus der Europäischen Menschenrechtskonvention austritt. Sonst war sie jedoch beim Konflikt kaum präsent, was ihrer Ausstrahlung auf beiden Tory-Flügeln jedoch nicht schadete. Jetzt verspricht sie, die Partei wieder zu einigen; eine schnelle Parlamentswahl zur Bestätigung im Amt komme für sie aber nicht infrage.

Der 54-jährige Liam Fox, Mediziner von Beruf, steht von den fünf am weitesten rechts. Nach einer Amigo-Affäre, bei dem sein Kumpan Adam Werrity an offiziellen Ministeriumstreffen sowie mit ausländischen Würdenträgern ohne Genehmigung teilnahm, musste Fox 2011 als Verteidigungsminister gehen. An seiner Urteilskraft bestehen deshalb Zweifel. Aber als Brexiter und enger USA-Freund hat er in der rechtslastigen Fraktion eine gewisse Anhängerschaft.

Die 53-jährige Andrea Leadsom hat – obwohl Brexiter – auch bei Gegnern keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Kühl und rational trug die Ex-Bankerin die manchmal hanebüchenen Spekulationen und schlichten Unwahrheiten der »Outers« fast überzeugend vor. Sie ist im Lande zu unbekannt, um das Rennen zu machen, könnte sich jedoch bald als Finanzministerin einen Namen machen.

Der 43-jährige Arbeitsminister Stephen Crabb gilt als Außenseiter. In Südwest-Wales aufgewachsen, kennt er aus Kindheitserfahrung das Leben auf Krankengeld im sozialen Wohnungsbau. Ein Liberaler ist er aber nicht, sondern ein Rechter, der Homosexualität für eine heilbare Krankheit hält. Wie Leadsom ist er im Lande unbekannt und deshalb wohl chancenlos. Vorerst sieht es deshalb nach einem Rennen zwischen May und Gove aus.

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