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21 Monate Haftstrafe für Messi

Der Starfußballer und sein Vater müssen wegen Steuerhinterziehung 3,7 Millionen Euro Strafe zahlen, müssen aber wohl nicht hinter Gitter

  • Von Ralf Streck, San Sebastián
  • Lesedauer: 3 Min.
Der argentinische Fußballer Lionel Messi hat einem Gericht zufolge den spanischen Fiskus um Millionen Euro betrogen.

»Ich weiß nicht, was ich unterschreibe«, hatte Lionel Messi vor Gericht erklärt. Dokumente, die ihm sein Vater vorlegte, habe er einfach ungelesen unterzeichnet. Auch wenn die Richter am Gerichtshof im katalanischen Barcelona dem Fußballstar glaubten, nutzte ihm das am Ende nichts: Selbst wenn er keine Verträge gelesen habe, dürfte er dafür nicht belohnt werden. Man könne an die »Bevölkerung nicht die Nachricht senden, dass es vorteilhaft ist, sich rauszuhalten, anstatt sich zu kümmern«, heißt es im Richterspruch, mit dem Messi und sein Vater Jorge Horacio am Mittwoch wegen Steuerhinterziehung zu 21 Monaten Haft verurteilt wurden.

In drei Fällen zwischen 2007 und 2009 begingen sie demnach Steuerbetrug. Für jedes Vergehen erhielten sie eine Haftstrafe von sieben Monaten. Dazu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 3,7 Millionen Euro.

Jorge Horacio Messi hatte angeblich selbst nicht gewusst, dass sein Vorgehen in Spanien illegal war. Das klang noch merkwürdiger als die Behauptungen seines Sohnes, konnte sich die Familie doch die teuersten Berater leisten. Die sollen den »Profifußballer, der sich nur für den Fußball interessiert«, und seinen Vater, ein ehemaliger argentinischer Metallarbeiter, »betrogen« haben, hatte die Verteidigung argumentiert. Klar ist, dass ein Firmennetzwerk in Steuerparadiesen aufgebaut wurde, um die Einnahmen aus Bildrechten (mehr als 10 Millionen Euro) nicht in Spanien versteuern zu müssen. So wurden 4,16 Millionen Euro hinterzogen.

Als der Betrug im Juni 2013 aufflog, überwiesen die Messis der Steuerbehörde nur zwei Monate später mehr als fünf Millionen Euro, um Steuernachforderungen und Zinsen zu begleichen. Damit erhofften sie sich mildernde Umstände und spekulierten sogar auf Freisprüche, wenigstens für den Fußballer.

Zumindest mildernde Umstände bekamen sie jetzt. Die Strafe hätte auch bei mehr als 24 Monaten liegen können. Dann wäre eine Haftverschonung fast unmöglich gewesen. Haftstrafen unter zwei Jahren müssen in Spanien üblicherweise nicht angetreten werden, wenn keine Vorstrafen vorliegen. Sie werden für beide mit aller Wahrscheinlichkeit zur Bewährung ausgesetzt.

Unklar blieb am Mittwoch, ob die Verteidigung Einspruch erhebt und die Familie so weiter in den Schlagzeilen hält. Gespannt darf man zudem sein, weil es zu weiteren Verfahren kommen kann, schließlich tauchten die Messis im Rahmen der »Panama Papers« erneut auf. »Leo Messi ist auf dem besten Weg, als Steuerhinterzieher so berühmt zu werden wie durch seine sportlichen Erfolge«, schrieb die Zeitung »El Confidential« im April. Sie gehört zum internationalen Recherchenetzwerk, das die vielen Dokumente publiziert hatte.

Die Messis sollen demnach nur einen Tag nach Auffliegen des Steuerbetrugs 2013 eine neue Offshore-Firma gegründet haben. Sollten sie darüber erneut Steuern hinterzogen haben - was sie bestreiten - und würden sie erneut dafür verurteilt, kämen sie ums Gefängnis kaum herum.

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