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Die Furcht der Fischer aus der Guanabara-Bucht

Eine brasilianisches Deponiegasprojekt bedroht die Existenz von Anwohnern - die wehren sich unter anderem mit einer Bootsregatta

  • Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
  • Lesedauer: 3 Min.

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Vor Rio sind die Fischgründe bald leer, fürchten die dortigen Fischer. Grund seien eingeleitete Abwässer eines Gaskonzerns.

Kurz vor dem Start der Olympischen Spiele funken Rio de Janeiros Fischer in der Guanabara-Bucht SOS. Sie fühlen sich von Staat und Behörden missachtet und vom Erdölriesen Petrobras aus der Bucht gedrängt. Die Fischer sorgen sich um ihre Existenz. »Das einzige, was ich noch nicht verloren habe, ist meine Würde«, beklagt der 62-jährige Geraldão von der Ilha do Governador. Früher waren seine Netze voll. Heute ziehe er oft nur Plastikflaschen oder -säcke aus dem Wasser.

Geraldão hat zusammen mit anderen traditionellen Fischern einen Monat vor den Olympischen Spielen mit einer Bootsregatta vor der Insel gegen die Verschmutzung der Bucht und für die Erhaltung ihres Berufsstands protestiert. Ronaldo Moreno vom Forum der Fischer und der Freunde des Meeres sagt, der teilprivatisierte Erdölkonzern Petrobras habe die Bucht und die Inseln übernommen. »Wenn wir unsere Netze nahe der Petrobras-Inseln auswerfen, dann wird auf uns geschossen.« Die Regierung investiere Milliarden in die Olympiade, doch für die Fischer gebe es keinen Centavo.

Bis heute haben die meisten der von der Erdölkatastrophe im Januar 2000 betroffenen Fischer keine Entschädigung von Petrobras erhalten. Damals platzte eine der Pipelines in der Gegend. Über eine Million Liter Öl flossen in die Bucht sowie die Mangroven. »Es ist ungerecht, dass die Mehrheit der Fischer nicht entschädigt wurde«, kritisiert Alex Sandro Santos von der Vereinigung der Freien Fischer von Tubiacanga. Das betreffe über 20 000 Menschen.

Neben der alltäglichen Verschmutzung der Bucht durch Erdölindustrie, Tanker, Ballastwasser und durch Abwässer der Millionenmetropole Rio prangern die Fischer auch das Deponiegasunternehmen Gás Verde des Firmenkonsortiums Novo Gramacho Energia Ambiental an. Bis heute flössen giftige, schwermetallhaltige Deponiesickerwässer von Lateinamerikas größtem Abfallberg »Gramacho« ungeklärt in die anliegenden Mangrovenflüsse sowie die Bucht.

Gás Verde verdiene am Verkauf des Biogases an Petrobras und sei im Gegenzug dazu verpflichtet, Deponieabwässer zu behandeln und umweltfreundlich zu entsorgen, sagt Fischer David aus Duque de Caxias. »Statt das Abwasser zu klären, steckt das Unternehmen die Profite ein und vernichtet unsere Fischgründe. Heute haben wir Fischer, die hungern.« Wo es noch vor 30 Jahren weiße Sandstrände gab, sei heute knöcheltiefer giftiger Schlamm, ergänzt Geraldão. Das Deponieabwasser sei auch für den Verlust der Artenvielfalt verantwortlich, sagt der Präsident der Fischergemeinde von Duque de Caxias, Gilciney Lopes. »Früher hatten wir zwölf Speisefischarten in den Fanggründen. Heute sind es nur noch zwei.«

Gás Verde saugt das methanhaltige, durch Zersetzung in der Deponie entstehende Gas ein, bereitet es auf und verkauft es an die Raffinerie von Petrobras. Dies reduziert die Methanemissionen und damit auch Brasiliens Treibhausgasausstoß. Das 2009 eingeweihte Projekt war nicht nur ein Vorzeigeprojekt während des UN-Umweltgipfels in Rio 2012, sondern bekam auch Unterstützung aus dem CO2-Programm der Europäischen Investitionsbank und der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau durch den Verkauf von Emissionszertifikaten für 700 000 Millionen Tonnen CO2. Novo Gramacho gilt als eines der erfolgreichsten CDM-Projekte Lateinamerikas. Der Clean Development Mechanism ist einer der drei vom Kyoto-Protokoll vorgesehenen Mechanismen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen.

Nicht nur Verschmutzung macht den Fischern zu schaffen. Die Installationen der Erdöl- und Gasindustrie lassen für die Fischerei immer weniger Spielraum, zudem durchschneiden Tanker und Versorgungsschiffe die Stellnetze. »Wir wollen eine lebendige Guanabara-Bucht«, fasst es Sergio Ricardo de Lima, Gründer der Bewegung Baía Viva, zusammen. »Wir werden nicht kapitulieren und die Bucht der Erdölindustrie übergeben.« Ein Kampf David gegen Goliath.

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