Grundgesetz: die Abseitsregel

Zum Tod von Péter Esterházy, einem ungarischen, europäischen Schriftsteller

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Literatur entsteht nicht aus Fantasie, sondern aus – Angst vor Fantasie. Wer fabuliert, wer sich also in allen Möglichkeiten der Existenz verlieren kann, der ist dem Schrecken stets näher als der tumbe Rationalist. Dieser zählt nüchtern Gründe auf, wo der Fantasiebegabte (-geschlagene!) schon in Abgründe stürzt. Der Logiker rechnet aus, der Träumende malt aus. Fantasien bildeten die unwiderstehliche Welt des Péter Esterházy. Der ungarische Romancier – studierter Mathematiker und zunächst ein praktizierender Datenverarbeiter – war ein Meister der grabdunklen Absurdität. Als öffneten sich abgedichtete Grüfte und ließen lauter gestautes, irres Lachen (oder sinnig-listiges Lächeln) in die Luft der Menschen steigen. Er ist einer der heitersten Virtuosen des modernen Verfalls gewesen, der alogischen (also ideologischen) Verstiegenheiten, der grotesken Verbindungen von stocksteifer Gesellschaft und schräger Individualität.

Vor Jahrzehnte...

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