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Ich möchte noch nicht sterben

Alit Mustafov aus Mazedonien

Meine Frau und ich kommen aus Mazedonien. Wir sind dort ein ganzes Leben lang misshandelt und schikaniert worden. In Mazedonien wird ein Rom, der zum Arzt geht, oft nicht mal untersucht. Wenn es uns in Mazedonien und all den anderen sogenannten »sicheren Herkunftsländern« gut gehen würde, würden wir doch nicht auswandern!

Meine Frau und ich sind nach Deutschland gekommen, weil man hier als Mensch behandelt und untersucht wird, wenn man krank ist. Vor zehn Jahren habe ich eine schwere Zystenerkrankung bekommen, die operiert werden muss. Damals ging ich zum ersten Mal nach Deutschland. Aber man hat mich nicht operiert, sondern mich nach Mazedonien zurückgeschickt. In Mazedonien habe ich dann alles in Bewegung gesetzt, schließlich bin ich operiert worden. Aber es hat nichts geholfen, ich hatte nach der Operation noch mehr Probleme. Wir Roma werden einfach nicht gut behandelt. Man sagt uns ins Gesicht: »Du bist Zigeuner, du bist nichts wert.«

Deshalb habe ich es nochmal in Deutschland versucht. Vor zwei Jahren bin ich dann in Hamburg operiert worden, zum Glück! Die Operation verlief gut, ich bin sehr dankbar für das, was die Ärzte getan haben. Doch noch während ich mich von der Operation erholte, habe ich den Abschiebebescheid erhalten und bin nach Mazedonien abgeschoben worden. Warum? Gerade wenn man sieht, wie das Leben weitergehen könnte, wird es einem wieder weggenommen.

Wir Roma sind überall Ausländer, seit Hunderten Jahren. Egal wohin wir gehen, wir werden abgeschoben. Überall werden wir diskriminiert, nirgends werden wir wie Menschen behandelt. Das muss aufhören.

Ich weiß nicht, wie ich in Mazedonien für mein Leben sorgen soll, ich bekomme dort auch nicht die Medikamente, die ich brauche. Also bin ich wieder nach Deutschland und haben einen Asylantrag gestellt. Nach nur drei Monaten hatte ich den Abschiebebescheid in der Hand.

Wenn ich jetzt zurück nach Mazedonien muss, werde ich dort sterben. Ich möchte noch nicht sterben, deshalb werde ich, so lange ich noch Kraft habe, um mein Bleiberecht und das meiner Frau, die auch sehr krank ist, kämpfen.

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