Werbung

Die Roboter kommen

Nehmen uns die Maschinen die Arbeit weg? Unterschiedliche Stellungnahmen über die Zukunft.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Oliver Bendel meint: Robotertechnik ist eine kulturelle Revolution – für die es neue Lösungen braucht

Wir sprechen bereits von einer vierten industriellen Revolution und verbinden damit den Begriff der Industrie 4.0. Charakteristisch für diese sind Automatisierung, Autonomisierung, Flexibilisierung und Individualisierung, wobei eine möglichst vollständige Vernetzung sowie die Erhöhung von Effektivität und Effizienz angestrebt werden. Ihr Kern ist die Smart Factory, die intelligente Fabrik. Diese wird mit Hilfe von cyberphysischen Systemen (die aus physischen Komponenten bestehen, virtuelle Inputs erhalten und physische Produkte hervorbringen) und innovativen Industrierobotern betrieben und ist mit ihrer Umwelt verbunden. (…)

Die Robotik ist für die Produktion von besonderer Relevanz, etwa für Auto- und Maschinenbauer. Neuerdings verlassen die Industrieroboter die Käfige. Roboter und Mensch können in Kooperationszellen eng zusammenarbeiten. Dabei ist es möglich, die Menschen vor anstrengenden und verschleißenden Verrichtungen zu bewahren. Roboter werden zudem zu Generalisten. Ein Modell kann ganz unterschiedliche Tätigkeiten ausüben.

Auch Dienstleistungen können auf hohem Niveau automatisiert werden. Zum einen können kommerzielle Drohnen zur Lieferung und Überwachung von Gebäuden und Arealen eingesetzt werden. Neben Hardwarerobotern sind Softwareroboter von Bedeutung, intelligente Agenten, Chatbots und Social Bots.

In Europa besteht durch die jüngere Geschichte und das aktuelle Recht eine besondere Chance, solche Roboter zu schaffen, die menschenfreundlich sind, etwa Datenschutz und Privatsphäre achten. Auch Roboter, die sich für den Umweltschutz einsetzen, sind für Deutschland und andere Länder eine Chance, etwa solche, die gezielt Unkraut vernichten, ohne dass Gift eingesetzt werden muss, oder solche, die alleine oder in Schwärmen Abfall in Gewässern einsammeln. (…)

Auch von einer kulturellen Revolution kann man sprechen. Wenn Roboter immer mehr Tätigkeiten übernehmen, besteht die Gefahr, dass wir diese verlernen. Wenn wir immer mehr multimediale und bildbasierte Anwendungen benutzen, kann eine der größten Kulturtechniken, das Beherrschen der Schrift im Lesen und Schreiben, in Mitleidenschaft gezogen werden. Andererseits könnten Reaktionszeiten und visuelle Fähigkeiten positiv beeinflusst werden. Insgesamt wird das Selbstverständnis der Menschen in Frage gestellt. Der Roboter kann manches besser und schneller, und er drängt menschliche Arbeit zurück. Wenn man sich nicht mehr durch die Arbeit definieren kann, wenn sie im Tagesablauf und als Strukturierungsmittel fehlt, braucht es neue Lösungen. (…)

Eine Robotersteuer kann so sinnvoll sein wie eine Roboterquote. Vielleicht muss man aber genauer hinschauen und fragen, welche Roboter man besteuern und beschränken soll. Sobald ein Roboter einen Mitarbeiter ersetzt, könnte man die Forderung nach einer Robotersteuer und einer Roboterquote erheben. Allerdings muss man auch immer berücksichtigen, dass unsere derzeitige Ausrichtung des menschlichen Lebens auf die wirtschaftliche Produktivität eine kapitalistische Ideologie ist, der man nicht zustimmen muss. Der Einsatz von Robotern könnte eine Chance zur Befreiung des Menschen sein. Gewinne werden nach wie vor gemacht; es geht darum, sie gerecht zu verteilen.

Die Roboter kommen – der Vorschlag nach einer eigenen Steuer wirft viele Fragen auf. Norbert Elkmann

Die in den Medien oftmals vermittelte Nachricht »Die Roboter kommen« oder ähnliche. Aussagen sind differenziert zu betrachten. Die Steigerungsraten bezüglich Stückzahl und Umsatz in der Robotik werden außerordentlich positiv eingeschätzt. Die Robotik wird in viele Bereiche vordringen und neue Aufgaben übernehmen, in denen Roboter bisher nicht zum Einsatz kommen konnten. Dennoch bleibt festzustellen, dass der Einzug der neuen Robotertechnologien eine gewisse Zeit benötigt und sich zahlreiche Entwicklungen noch in einem frühen, forschungslastigen Stadium befinden.

Dies trifft insbesondere für die Robotik im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz zu. Der Transfer von neuen Technologien in marktreife Produkte benötigt abhängig von ihrer technischen Komplexität viele Jahre und teilweise Jahrzehnte. Der oftmals in den Medien vermittelte Eindruck, dass Roboter in naher Zukunft menschenähnlich vielfältige, komplexe Aufgaben autonom durchführen werden, spiegelt nicht die Realität und den aktuellen Stand der Technik wider. Der autonome Roboter, der zum Beispiel im Heimbereich vielfältige komplexe (Haus-)Arbeiten übernimmt ist eine Vision. (…)

Wir befinden uns in aktuell einer Phase, in der eine arbeitsteilige Zusammenarbeit von Menschen und Robotern unter bestimmten Randbedingungen sowohl für stationäre als auch mobile Roboter möglich ist. Das ist der Beginn einer Revolution sowohl in der Robotik als auch in der Gesellschaft. Die nächste Revolution im Zusammenhang mit der Robotik steht bevor, wenn umfassende kognitive Fähigkeiten in die Robotik Einzug finden. (…)

Es steht außer Frage, dass zukünftig bestimmte Tätigkeiten, die heute von Menschen durchgeführt werden, von Robotern übernommen werden. Dies wird zunächst bei Tätigkeiten erfolgen, die für den Menschen unergonomisch, gefährlich und vor allem hochgradig repetitiv sind. Letztendlich werden Roboter immer dann Tätigkeiten anstelle des Menschen übernehmen, wenn wirtschaftliche Vorteile entstehen. Im nächsten Schritt wird es vordergründig darum gehen, Roboter mit intelligenten Grundfertigkeiten auszustatten, so dass sie unterschiedliche Aufgaben erfüllen können. Dann werden Roboter auch verstärkt in der Lage sein müssen, zu lernen. Wann die technische Umsetzbarkeit von Tätigkeiten durch Roboter, bei denen Erfahrungswerte, Geschick und Flexibilität eine übergeordnete Rolle spielen, gegeben sein wird, ist mit großen Unwägbarkeiten verbunden.

Auf der anderen Seite entstehen aber auch vielfältige neue Arbeitsplätze und Berufsbilder. Die Entwicklung neuer, intelligenter Robotersysteme wie auch deren Inbetriebnahme bzw. das Anlernen der Roboter für neue Aufgaben wird in den nächsten Jahren nicht ohne hochqualifiziertes Personal möglich sein. Es wird folglich im Zusammenhang mit der Robotik eine Verschiebung der Anzahl der Arbeitsplätze von Fachkräften bzw. angelerntem Personal hin zu hochqualifiziertem Personal geben. Flexiblere Arbeitszeitmodelle und/oder bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehe ich durch den zukünftigen Robotereinsatz nicht.

Frey und Osborne haben mit ihrer Studie »The Future of Employment« aus dem Jahre 2013 eine wichtige Diskussion angestoßen. Die Studie, die Bezug auf die voraussichtlichen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in den USA durch den verstärkten Computereinsatz und Automatisierung nimmt, wurde zum Anlass genommen, derartige Studien auch für Deutschland durchzuführen. Die Resultate überraschen nicht wirklich, wenn man Entwicklungen der Jobprofile aus den vergangenen 20 Jahren und die Weiterentwicklung der Technik betrachtet. Der Robotereinsatz (physische Roboter) spielt aber bei den unterschiedlich betrachteten Tätigkeitsprofilen nicht die maßgebliche Rolle, in erster Linie führen die verstärkte Digitalisierung und immer leistungsfähigere Computersysteme zu den Veränderungen in der Arbeitswelt.

Der Vorschlag nach einer Robotersteuer wirft die Frage auf, wieso diese Abgabe nicht für jeden gewerblich genutzten Computer, Landmaschinen etc. (die Liste ließe sich beliebig fortführen) erhoben werden sollte? All diese Systeme und Maschinen führten dazu, dass Tätigkeitsprofile sich massiv verändert haben und Arbeitsplätze weg rationalisiert wurden.

Eric Hilgendorf meint: eigentum verpflichtet – und muss dem Gemeinwohl dienen

So wie die industrielle Revolution des späten 18. und 19. Jahrhunderts Europa von Grund auf verändert hat, so wird auch die digitale Revolution Auswirkungen haben, die weit über den Bereich der Technik und der Produktion hinausgehen und sämtliche Felder des menschlichen Lebens und Arbeitens erfassen wird. Besonders hinzuweisen ist darauf, dass die industrielle Revolution zunächst mit ganz erheblichen sozialen Problemen - konkret: mit der Verelendung weiter Bevölkerungsschichten - verbunden war. Es bedurfte viele Jahrzehnte, um diese Folgen in Europa durch eine angemessene Sozialgesetzgebung wieder aufzufangen.

Die Bundesrepublik Deutschland definiert sich nicht bloß als Demokratie und Rechtsstaat, sondern auch als Sozialstaat. Es ist deshalb nicht bloß politisch empfehlenswert, sondern auch rechtlich geboten, möglichen sozialen Verwerfungen durch die digitale Revolution frühzeitig entgegenzutreten. Potenziell gefährliche Entwicklungen müssen frühzeitig identifiziert, analysiert und angemessen beantwortet werden, so dass sich die Fehler, die im 19. Jahrhundert begangen wurden, nicht wiederholen. (…)

In der Vergangenheit ist der Wegfall von Arbeitsplätzen infolge von Automatisierung durch das Entstehen neuer Arbeitsplätze kompensiert worden. Ob dies wieder der Fall sein wird, erscheint allerdings aus meiner Sicht fraglich; auch wenn neue Arbeitsplätze entstehen, dürfte sich um Stellen handeln, die den sozialen Standards, die in der Bundesrepublik Deutschland bisher als unverzichtbar angesehen wurden, zu großen Teilen nicht entsprechen. Dies gilt insbesondere für kurzfristige Arbeitsmöglichkeiten auf der Basis plattformgestützter Geschäftsmodelle, bei denen noch dazu die Gewinne im Ausland versteuert und kaum bzw. keine Sozialabgaben geleistet werden. (…)

Bei alldem sollte nicht übersehen werden, dass der Einsatz autonomer Systeme gerade in Beruf und Arbeit sehr viele Vorteile bringen wird. Dies betrifft die flexible Gestaltung von Arbeitszeiten, eine menschengerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes, bis hin zur gesteigerten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die digitale Revolution birgt ein gewaltiges Potenzial zu einer weiteren Humanisierung der Arbeitswelt. Aber auch eine gegenteilige Entwicklung ist möglich, wenn nicht rechtzeitig angemessene Rahmenbedingungen geschaffen und bestehende Vorgaben entschlossen umgesetzt werden. (…)

Die zunehmende Automatisierung bewirkt nicht bloß Rationalisierungs- und Produktivitätszuwächse, sie hat außerdem das Potenzial, zur Herausbildung von erheblichen Machtungleichgewichten zu führen. Dies ist besonders dann problematisch, wenn sich diese Macht auf wenige Personen oder Personengruppen weltweit konzentriert, die kaum eine demokratische Legitimation vorweisen können, es sei denn, man wertet Nutzerverhalten als politische Zustimmung (was nicht abwegig ist). Die demokratietheoretischen Auswirkungen der digitalen Revolution verdienen sehr viel mehr Aufmerksamkeit, als ihnen bislang zuteil wurde.

Das Steuer- und Abgabenrecht ist nur eine Möglichkeit, in diese Entwicklung regulativ einzugreifen. Andere Möglichkeiten bieten das Verwaltungsrecht (z.B. durch die Festlegung von Transparenzpflichten und öffentlichen Kontrollmöglichkeiten), das Arbeitsrecht (z.B. durch die Regulierung von Mitbestimmungsrechten), und vor allem das Kartellrecht. An strafrechtliche Mittel sollte man, wie sonst auch, zuallerletzt denken.

Wirtschaftliche Macht ist nicht naturgegeben, sondern weitgehend abhängig von den jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen, die im demokratischen Rechtsstaat stets als veränderbar anzusehen sind. Dass Eigentum verpflichtet und auch dem Gemeinwohl dienen soll, wird möglicherweise in Zukunft wieder eine größere Rolle spielen müssen als in den vergangenen Jahrzehnten.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen