Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Wer war Herr Rigaer?

Ein vernachlässigter Aspekt in der Berichterstattung über die Rigaer Straße ist deren Benennung. Wikipedia ist zu entnehmen, dass die Straße 1893 nach der heutigen lettischen Hauptstadt Riga benannt worden sei, nachdem ein Teil vorher Eckartsbergstraße geheißen habe. Noch früher sei sie als Straße Nr. 58 und 58a in der Abteilung XIII des Bebauungsplans verzeichnet gewesen. Das mag alles sein, sagt aber gar nichts darüber aus, warum ausgerechnet Riga zur Namenspatronin geworden sein soll. Im Gegensatz etwa zur Frankfurter Allee, deren Verlängerung tatsächlich zur gleichnamigen Stadt an der Oder führt, falls man rechtzeitig rechts abbiegt, gibt es von Friedrichshain keinen direkten Weg nach Riga. Auch dass hier einstmals etwa besonders viele Menschen gewohnt haben könnten, die aus dem Baltikum stammten, ist unwahrscheinlich.

Aufschluss verspricht das Straßenschild, das an der Ecke zur Zellestraße angebracht wurde, nur ein paar Meter entfernt vom Gebäude mit der Hausnummer 94, das seit Wochen die Gemüter erhitzt. Erstaunlich, dass von den Hunderten Polizisten, Journalisten und Schaulustigen, die die Gegend jetzt verunsichern, noch niemand darauf aufmerksam geworden zu sein scheint, dass dort nicht Rigaer Straße, sondern Rigaerstraße steht. Wer in der Schule aufgepasst hat, weiß sofort, dass im Falle der Zusammenschreibung gar keine Stadt gemeint sein kann, sondern viel wahrscheinlicher ein Familienname. Wer aber war Frau Rigaer?

Zunächst einmal war sie vermutlich ein Mann. Schließlich stochern wir hier in den grauen Zeiten des 19. Jahrhunderts, als Frauen noch nichts zu melden hatten. Aber dann wird es auch schon verzwickt. Denn der Nachname Rigaer scheint sich nicht gerade großer Beliebtheit zu erfreuen. Zwar konnten wir unsere Recherchen in den weltweiten Geburten- und Sterberegistern noch nicht vollständig abschließen, bislang aber sind wir nicht ein einziges Mal fündig geworden.

Immerhin gibt das Telefonbuch beim Suchbegriff »Rigaer« zwei Eintragungen her. Zum einen gibt es eine Rigaer Änderungsschneiderei in Kronshagen bei Kiel, zum anderen eine Rigaer Seifenmanufaktur mit zwei Filialen in Hamburg. Ruft man deren Internetseite auf, erscheint allerdings lediglich der Hinweis: »ACHTUNG: Dieser Shop ist derzeit nicht aktiv.« War etwa der Gerichtsvollzieher dort?

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln