Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Kein Personal für die Zeitenwende

Sachsen-Anhalt: Umbau im Pflegesektor - aber mit wem?

  • Von Thilo Krippendorf, Magdeburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Laut einer Studie zur Altenpflege in Sachsen-Anhalt wird die Zahl der Pflegbedürftigen im Land bis 2025 um 13 Prozent steigen. Das sagte die Fachreferentin bei der Diakonie im Land, Kristin Schulze, der dpa. Es handele sich dabei um ein Vorergebnis, die Studie werde voraussichtlich erst im Herbst fertiggestellt. Sie sei vom Landespflegeausschuss in Auftrag gegeben worden. Nach den jüngsten Zahlen von 2013 waren rund 92 000 Menschen in Sachsen-Anhalt pflegebedürftig. Nach den Prognosen würde die Zahl bis 2025 auf mehr als 100 000 steigen. Die Branche habe bereits jetzt mit großem Personalmangel zu kämpfen, berichtet die Arbeitsagentur.

Hinzu kommt, dass Anfang 2017 in der Altenpflege eine neue Zeitrechnung beginnt. Die relevanten Gradmesser - drei Pflegestufen, die das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit derzeit noch beschreiben - sind dann passé. Ersetzt werden sie durch fünf Pflegegrade.

»Für uns als Träger der Pflegedienste bedeutet das schon im Vorfeld einen enormen bürokratischen Aufwand«, sagt der Fachreferent des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Sachsen-Anhalt, Marcel Kabel. Gemeinsam mit Kristin Schulze spricht er für die Liga der sechs freien Wohlfahrtsverbände in Sachsen-Anhalt. Schulze nennt es einen Paradigmenwechsel in der Altenpflege. Ganz genau wissen die Verbände im Land aber noch nicht, was da auf sie zukommen wird.

Beschlossen wurde der neue Ansatz im Zweiten Pflegestärkungsgesetz. Ein Ziel soll unter anderem sein, Demenzkranken die gleichen Pflegeleistungen zukommen zu lassen wie körperlich beeinträchtigten Älteren. Auch die mobilen Pflegedienste sollen gestärkt werden, die in Sachsen-Anhalt bei der letzten Erhebung im Jahr 2013 rund 23 000 Patienten versorgten. »Für Pflegebedürftige mit kognitiven Einschränkungen und deren Angehörige ist das Gesetz auf jeden Fall eine Verbesserung«, sagt Schulze.

Künftig werden Gutachter Punkte über die Beeinträchtigung im Alltag verteilen und anhand dessen einen Pflegegrad vergeben. Die Prüfer gucken beispielsweise: Gibt es Probleme mit der Nahrungsaufnahme? Gibt es depressive Stimmungslagen? Wie ist es um die zeitliche Orientierung bestellt? Der Pflegegrad wird dann anhand der Punktzahl berechnet. Danach richten sich wiederum die Leistungen der Pflegeversicherung.

»Bis jetzt ist noch unklar, wie hoch der personelle Unterstützungsbedarf sein wird«, sagt Kabel. Zum einen gibt es in Sachsen-Anhalt nicht ausreichend Interessenten für den relativ schlecht bezahlten und als unattraktiv geltenden Beruf. Zum anderen ist qualifizierter Nachwuchs kaum in Sicht.

»Wer fordert, dass Altenpflege besser bezahlt wird, muss auch wissen, dass es direkt an das Geld der Bedürftigen gehen muss. Die Pflegeversicherung ist ja nur eine Teilleistung«, erklärt Kabel. Auch die Kosten für die Ausbildung müssen letztlich die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige zahlen. »Wer Pfleger ausbildet, schafft sich eigentlich einen Nachteil im Wettbewerb«, erklärt Schulze die derzeitige Situation. So kurzfristig dürfe man aber nicht denken.

Fest steht: Der Personalbedarf wird steigen. »Wir haben heute schon große Probleme, Fachpersonal zu bekommen«, warnt auch die Vertreterin vieler privater Pflegedienste im Land, Annette Schmidt. Sie ist Landesbeauftragte des Bundesverbandes privater sozialer Dienste und sagt: »Derzeit ist eine sehr angespannte Situation in der Altenpflege.« dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln