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Clinton & Compagnons

Obama, Biden und andere ziehen mit gegen Trump

  • Von Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Hillary Clinton, willensstarke Opportunistin und schwache Wahlkämpferin, organisiert für das Duell mit Donald Trump Hilfe.

Vor der Nominierung der einstigen Außenministerin, Senatorin und First Lady zur Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten zeichnen sich zwei weitere Besonderheiten des überraschungsreichen Wahlkampfs 2016 ab: die ungewöhnlich aktive Beteiligung eines scheidenden Präsidenten an der Kampagne gegen Trump und die Entscheidung Hillary Clintons, neben Obama weitere Großkopferten wie Vizepräsident Biden, Senatorin Elizabeth Warren, Präsidentengattin Michelle Obama, Altpräsident Bill Clinton und andere Prominente vor speziellen Wählergruppen auftreten zu lassen. Wahlkampfschwächen und Glaubwürdigkeitsdefizite Hillary Clintons sollen ausgeglichen und die Präsidentschaft des Großkotzes und republikanischen Nominierten Trump verhindert werden.

»Politico«, in den letzten Jahren eine der wichtigsten Medienorganisationen im US-Politikbetrieb geworden, spricht von einem Traumteam. Clinton wolle es in der Anti-Trump-Kampagne mit verteilten Rollen einsetzen. Joe Biden etwa solle »die Rolle des Botschafters für den Rust Belt« zukommen. Das ist die Region runtergewirtschafteter Industriestaaten wie Ohio, Illinois, Pennsylvania. Sein Augenmerk richte sich auf weiße einstige Industriearbeiter und Gewerkschaftsmitglieder, die als abstiegserfahrene Angehörige der Arbeiter- und Mittelklasse für Trumps Verheißungen besonders empfänglich sind.

Senatorin Warren, Ikone der Progressiven bei den Demokraten, soll »als Einigerin der Partei fungieren« und Hillary-Verächter in den umstrittenen Swing States für Clinton einnehmen. Barack Obama schließlich, ein begnadeter Wahlkämpfer, solle »als Motivator für die Parteibasis und damit als emotionaler Großkontrast zu Clinton« wirken.

Ein weiteres entscheidendes Motiv für sein Wahlkampf-Dacapo nannte Obama vor Mitgliedern seines Sicherheitsrates in Washington. Der Präsident erläuterte, warum er - im Gegensatz zu Trump und den meisten Republikanern - den Begriff »Islamischer Extremismus« nicht benutze: »Es hat in meinen bisher siebeneinhalb Jahren als Präsident keinen Moment gegeben, in denen wir nicht fähig gewesen wären, eine Strategie zu verfolgen, nur weil wir nicht das Label ›radical Islam‹ benutzten. (…) Wenn irgendwer ernsthaft meint, wir wüssten nicht, was für einen Gegner wir bekämpfen, würden sich die Tausenden Terroristen wundern, die wir vom Schlachtfeld genommen haben.«

Was ist der Kern von Obamas Erklärung, den Begriff »Islamischer Extremismus« nicht zu verwenden? Er lehne es ab, die Propaganda des sogenannten Islamischen Staats (IS) zu wiederholen und zu verbreiten, indem er deren Terrorismus das Etikett eines religiösen Krieges zubillige. »Wenn wir in die Falle tappen, alle Muslime über einen Leisten zu schlagen und zu erklären, wir stünden mit einer ganzen Religion im Krieg, erledigten wir das Geschäft der Terrorristen.« Für Obama ist die Wahl daher nicht nur eine Wahl über die nationale Sicherheitspolitik, sondern über die fundamentalere Frage der Identität der USA. Seine Argumentation verdeutlicht, wie und warum Obama auch als scheidender Präsident - unüblich - erneut Wahlkampf macht.

Hillary Clintons Team, aktuell 650 bezahlte Mitarbeiter, verbindet große Erwartungen mit dem Stellvertreterkampf. Auch seine Aufstockung mit weiteren Prominenten liegt nahe: Ex-Präsident Bill Clinton, Michelle Obama oder Bernie Sanders. Der linke Senator hatte Hillarys persönlich-politische Schatten in der Vorwahl in grelles Licht geholt. Mit Blick auf Trump aber - man hört das Sanderssche Zähneknirschen bis nach Deutschland - könnte nun eine Vernunftehe auf Zeit anstehen. Der Vorsitzende der Demokraten in South Carolina, Jaime Harrison, nennt die konzertierte Aktion »Clintons Geheimwaffe«. Tatsächlich gehen die US-Demokraten in einem Mix aus Sorge über Messias Trump (»I alone« - Ich allein) und Optimismus über dessen Bezwingbarkeit in die neue Phase.

David Plouffe, Obamas Wahlmanager 2008, ist Optimist. Wiewohl Clinton ein »Begeisterungsproblem« habe, würden ihre Umfragewerte nach Philadelphia merklich steigen. Er erwarte kein knappes Resultat im November, sondern Clintons klaren Sieg. Obgleich ihr Wahlkampf nicht so glatt laufe wie einst der von Obama, sei er »um Meilen besser als der Trumps«. Die bessere Gesamtaufstellung, prophezeit Plouffe, werde ihren Sieg sogar dann sichern, wenn sie drei Schlüsselstaaten wie Florida, Ohio und Virginia verlieren sollte.

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