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Der Täter, das Motiv, die Waffe

Er sei ein stiller, durchaus angenehmer Mensch gewesen, habe gegrüßt und Zeitungen ausgetragen. Die von zahlreichen Reportern befragten Nachbarn des Amokläufers waren erstaunt, dass der junge Mann offenbar so viel Gewalt in sich getragen hat. Der Polizei war David S. nicht negativ bekannt. In der Eile fand man zwei Einträge aus den Jahren 2010 und 2012, die auf ihn verweisen. Einmal ging es um eine Auseinandersetzung unter Jugendlichen, die andere Notiz betrifft einen Diebstahl. In beiden Fällen war David S. der Geschädigte.

Als die Polizei noch in der Nacht zum Samstag die Wohnung des Schützen durchsuchte, fand sie unter anderem ein Buch mit dem Titel: »Amok im Kopf: Warum Schüler töten«. Es kam 2009 nach dem Amoklauf von Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger an seiner früheren Realschule 15 Menschen und sich selbst getötet hat, heraus. Autor Peter Langman, ein Psychologe und Gutachter, geht darin der Frage nach: Warum entschließt sich ein Kind oder Jugendlicher Amok zu laufen? Langman analysierte zehn US-amerikanische Amokläufer - von den Columbine High-School-Killern bis zu Kip Kinkel, der 1988 in Springfield, Oregon, gemordet hat. Wie krank muss ein Mensch sein, der solche Taten begeht, fragt der Autor immer wieder und warnt eindringlich davor, die Motive für einen Amoklauf zu bagatellisieren.

Der junge Mann, der in München die Waffe auf unschuldige Bürger richtete und feuerte, war angeblich in psychologischer Behandlung. Wegen einer Erkrankung »aus dem depressiven Formenkreis«. So umschrieb Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch den Grund. In der Wohnung fanden die Ermittler auch Zeitungsartikel über Amokläufe zu Polizeieinsätzen nach solchen Vorfällen. David S. war - so die »Süddeutschen Zeitung« selbst nach Winnenden gefahren, hatte sich umgesehen und Fotos gemacht.

Doch die Ermittler fanden auch Hinweise, die ins Politische deuten, hieß es zunächst. Dann jedoch war nicht mehr die rede davon, dass auf dem Rechner von S. das »Manifest« Breiviks gespeichert war. Der Norweger hatte 77 vor allem junge Menschen in Oslo und auf Insel Utoya ermordet. Am Freitag, dem Tag, an dem S. in München schoss, jährte sich Breiviks Tat zum fünften Mal.

Geschossen hat der Münchner Täter mit einer 9 mm-Glock-Pistole, deren Identifikationsnummer unkenntlich gemacht worden war. Der Täter, der sich nach dem Anruf durch Polizisten mit dieser Waffe durch einen Kopfschuss selbst gerichtet hat, soll 300 Schuss bei sich getragen haben. Er hat sich die Waffen offenkundig aus dem sogenannten Darknet - einer Art Untergrund-Internet - besorgt haben. Ursprünglich war die Glock eine sogenannte Theaterwaffe, die wieder schussfähig gemacht wurde. Das Beschusszeichen stammt aus der Slowakei und soll mit 2014 datiert sein. hei

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