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Gerecht oder unglaubwürdig?

Die olympische Bewegung ist nach der IOC-Entscheidung pro Russland in der Krise

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Russische Sportler sind in Rio dabei: Die IOC-Entscheidung traf außerhalb Russlands auf viel Kritik, die auch auf Thomas Bach zielt.

Berlin. Die Reaktionen auf die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees IOC, Russland trotz nachgewiesenen Staatsdopings nicht von den Sommerspielen in Rio auszuschließen, fallen heftig aus. »Wir sind ziemlich entsetzt«, sagte Andrea Gotzmann, die Chefin der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschlands. Die Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sprach von einer »vertanen Chance« und sieht »keine Voraussetzungen für saubere Spiele.« Die Medien in der westlichen Welt kritisieren das IOC und dessen Präsidenten Thomas Bach fast einhellig. »Das IOC hat seine Seele verkauft. Integrität, Anstand und Fair Play - das sind nicht länger die Ideale, mit denen sich die Olympische Bewegung schmücken kann«, schreibt die »USAToday«. In russischen Medien wird hingegen ein »Sieg der Gerechtigkeit« gefeiert. Hier ein Blick auf den weiteren Verlauf:

Wie geht es jetzt weiter?
Die Weltverbände aller olympischen Sportarten überprüfen die nominierten russischen Athleten. Kein Sportler aus Russland, der schon ein Mal wegen Dopings gesperrt war, darf in Rio starten. Abgesegnet werden die Vorschläge noch vom Internationalen Sportgerichtshof und vom IOC.

Wie viele Russen werden in Rio starten?
Viele, vermutlich fast alle Nominierten. Die Weltverbände für Tennis, Judo und Bogenschießen haben schon bekannt gegeben, dass sie keine russischen Sportler von einem Olympiastart abhalten werden. Bei anderen Verbänden zeichnet sich die gleiche Tendenz ab.

Wie wirkt sich die IOC-Entscheidung auf das Ansehen von Thomas Bach aus?
Bach entsteht ein gewaltiger Imageschaden. Die »Bild« nannte den deutschen IOC-Präsidenten scharf »Putins Pudel«. Der Eindruck, er habe vor der Großmacht Russland gekuscht, zieht sich durch viele Kommentare. Seine Glaubwürdigkeit ist schwer erschüttert, die Freundschaft mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin erscheint höchst fragwürdig.

Steht der deutsche Sport zu Bach?
Ja, zumindest DOSB-Präsident Alfons Hörmann: »Thomas Bach hat den Fall professionell und so ausgewogen und ganzheitlich gemanagt, wie er es an der Spitze des Weltsports tun muss.«

Fällt ein Schatten auf Olympia?
Definitiv. Es ist ein Tiefpunkt der olympischen Geschichte. Wenn eine Nation trotz nachgewiesenen Staatsdopings nicht von den folgenden Spielen ausgeschlossen wird, wann dann? Die Spiele von Rio de Janeiro sind beschädigt, bevor sie begonnen haben. Die olympische Bewegung und das IOC sind in ihrer tiefsten Glaubwürdigkeitskrise.

Was sagen die Athleten?
Sie äußern sich nicht oder sehr zurückhaltend. So auch der zweimalige deutsche Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste, der Verständnis für das IOC zeigte. Eine Ausnahme ist der britische Weitsprungstar Greg Rutherford, der die Entscheidung »rückgratlos« nannte. Das IOC habe es verpasst, eine »klare Botschaft der Transparenz und des Fortschritts« zu senden, sagte der Olympiasieger von London: »Was wir jetzt haben, ist ein schmutziger, grauer Bereich, womit niemandem geholfen ist.«

Welchen Einfluss hat die Entscheidung auf die Paralympics?
Den russischen Behindertensportlern droht ungeachtet der Entscheidung des IOC weiter das Aus für die Paralympics in Rio (7. bis 18. September). Das bestätigte das Internationale Paralympische Komitee (IPC) am Montag. Das IPC hatte nach Veröffentlichung des McLaren-Reports ein Ausschlussverfahren gegen den russischen Nationalverband eingeleitet. Der Deutsche Behindertensportverband begrüßte die Fortführung dieses Verfahrens ausdrücklich. Damit zeige das IPC, dass »im Gegensatz zum IOC die Null-Toleranz-Politik« im Paralympischen Sport »keine leere Worthülse« sei, hieß es am Montag in einer Mitteilung. SID/nd

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