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Kritische Lehre unerwünscht?

An der UdK entbrennt ein Streit um das vorzeitige Ende einer Juniorprofessur

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Nanna Lüth lehrt seit drei Jahren Kunstdidaktik als Juniorprofessorin an der UdK - nach der Halbzeit soll sie nun gehen. Studierende vermuten, dass der Fakultät ihre Inhalte nicht gefallen.

Das Modell der sechsjährigen Juniorprofessur soll eine Art Probezeit für Akademiker sein: Nach drei Jahren wird über den Verbleib der Forschenden und Lehrenden abgestimmt - eigentlich ein begrüßenswertes Evaluationsinstrument. In einem aktuellen Fall an der Universität der Künste (UdK) werfen Studierende dem Fakultätsrat jedoch vor, dieses Verfahren als Machtinstrument gegen eine kritische Lehrende zu missbrauchen.

Dass eine Juniorprofessur nicht verlängert wird, ist eine Seltenheit in Deutschland: Laut einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung aus dem Jahr 2007 überstanden weniger als zwei Prozent die Zwischenevaluationen nicht und das auch nur in den Naturwissenschaften. Wenn die geleistete Arbeit in Lehre, Forschung und Gremien als schlecht bewertet wird, heißt es nach der Halbzeit von drei Jahren, der Juniorprofessor »hat sich nicht bewährt«. Ein solches Zeugnis bedeutet das Karriere-Aus im Wissenschaftsbetrieb.

Nanna Lüth ist vergangene Woche genau so ein Zeugnis ausgestellt worden. Die Studierenden stellen nun die Frage, wie die Fakultät vom Institut für Bildende Kunst zu dieser Einschätzung kam. Das Gerücht, dass die Bewertung negativ ausfallen werde, hatte sich bereits vor der Entscheidung verbreitet. Deshalb plädierten einzelne Studierende schon vor der Abstimmung mit einer Webseite und einer Online-Petition für die Aufrechterhaltung der Juniorprofessur. Sie riefen andere Studierende auf, ihnen ihre Bewertung der Lehre Lüths zu schicken. Diese bescheinigen der Professorin ein außerordentlich hohes Engagement und eine gute Vermittlung des Lehrinhalts.

»Nanna Lüth hat mir bei meiner Masterarbeit fachlich gute Hinweise gegeben«, sagt die Master-Studentin Louisa Grothmann. Sie hat die Stimmen der Studenten gesammelt und den Protest organisiert. »Unser Eindruck ist, dass gezielt gegen Lüth Stimmung gemacht wurde. Vielleicht will man die Stelle mit einer anderen Person besetzen.« Anders könne sie sich nicht erklären, wie es bei einer Juniorprofessorin, die »fachlich und didaktisch derart gute Arbeit leistet, eine negative Evaluierung« zustande komme.

»Mit ihrer Position«, so heißt es in der Petition, sei zudem ein »vertiefter Schwerpunkt der Gender-, Diversity- und Postcolonial-Studies im kunstdidaktischen Kontext ermöglicht« worden. Für das zukünftige Berufsleben der Lehramtsstudierenden sei dies auch unabdingbar. Zumal dieser Schwerpunkt auch in der Studienordnung stehe. War das selbstgewählte Ziel der Hochschule nun auf einmal zu kritisch?

Lüth vermutet, dass sich gegen Diversität gewehrt wird. »Ich glaube, meine Situation ist ein kleines Symptom dessen. Warum gibt es für mich als queer verortete, weiße Frau keine Schutz- und Unterstützungsmechanismen, die diese Vorfälle wenigstens verkomplizieren?« Aus Gesprächen habe sie erfahren, dass es an der Uni immer wieder Probleme mit Diversität gegeben habe. 2006 hätte eine Reihe von Hochschullehrern die UdK verlassen. Dazu gehörte auch Stan Douglas. »Ein sehr wichtiger Schwarzer Medienkünstler«, sagt Lüth. Vorher sei ihm garantiert worden, dass er seine Lehre relativ frei gestalten kann. Dann sollte er plötzlich regelmäßig unterrichten. Unmöglich für den in Kanada Lebenden, der daraufhin entnervt aufgab.

Die Studentin Grothmann bemängelt auch die Intransparenz des Evaluierungsprozesses. An der UdK werden dafür ein internes und zwei externe Gutachten angefertigt, anhand derer der Fakultätsrat über die Verlängerung der Juniorprofessur abstimmt. Die Studierenden bezweifeln die Unabhängigkeit der ihnen nicht bekannten Gutachter.

Zudem sind unter den 13 Stimmberechtigten nur zwei Studierende, die zudem nicht bei Lüth gelernt haben. Eine Lehrevaluation Lüths, wie sie die Studierenden fordern, fand nicht statt. Außerdem bemängeln die Studenten, dass nicht öffentlich gesagt wird, welche Kriterien angelegt und wie sie gewichtet werden.

Zudem kam es in der betreffenden Sitzung zu einer Neuerung in der Reihenfolge: »Normalerweise sind die Sitzungen des Fakultätsrates in zwei Teile geteilt: Im ersten wird öffentlich diskutiert und im zweiten wird nicht-öffentlich abgestimmt«, sagt Grothmann. Doch als am 13. Juli über den Verbleib von Lüth abgestimmt werden sollte, sei die Reihenfolge verändert worden. Die Studierenden hätten beantragt, die gewöhnliche Reihenfolge einzuhalten, damit sie dem Rat ihre positive Evaluierung der Juniorprofessorin vortragen können. »Der Antrag wurde abgelehnt«, sagt Grothmann. 40 Studierende betraten daraufhin im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung den Saal. Während sie ihre Argumente vortrugen, habe etwa die Hälfte des Fakultätsrats den Raum verlassen, um den Ausführungen nicht weiter zuhören zu müssen. Damit sei das Gremium beschlussunfähig gewesen.

Bei der nächsten Tagung am vergangenen Mittwoch entschied der Fakultätsrat negativ über Lüths Eignung. Die UdK wollte sich zu dem Sachverhalt gegenüber »neues deutschland« nicht äußern, »da es sich um ein noch nicht abgeschlossenes Verfahren handelt«, wie die Universität schriftlich mitteilte. Eine Pressesprecherin sagte auf Nachfrage, die Entscheidung sei getroffen, man habe sie jedoch noch nicht verschriftlicht und auch noch nicht an Lüth herangetragen.

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