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Vier-Sterne-Hotel besänftigt Lollapalooza-Kritiker nicht

Festivalveranstalter bieten Anwohnern Ausweichquartier an. Doch die Zweifel an der Veranstlatung im Treptower Park bleiben bestehen

»Das bewegt mich heute am Allermeisten, wie man mit dem Ehrenmal umgeht«, sagt Brigitte Topfstädt. Seit 1997 wohnt die heute 78-jährige gebürtige Treptowerin direkt am Rand des Parkgeländes. Wie so viele direkte Anwohner ist sie nicht einverstanden damit, dass am 10. und 11. September der gesamte Treptower Park für das Lollapalooza-Musikfestival gesperrt werden soll. »Es ist pietätlos, würdelos, respektlos«, sagt sie. »Auf meine Briefe kriege ich nur Antworten, dass für Schutz und Sicherheit der Anlagen mit Zäunen gesorgt ist. Von Würde redet niemand.« Den Vergleich mit dem Bob-Dylan-Konzert, das 1987 auf der großen Wiese stattfand, findet sie lächerlich. »Das war der kalte Krieg, da wurde alles untergeordnet.«

An diesem Dienstag lag ein Schreiben der Festivalveranstalter in ihrem Briefkasten. »Trotz aller Bemühungen lässt es sich leider nicht vermeiden, dass es im Rahmen des Lollapalooza Berlin zu Einschränkungen in Ihrem Umfeld kommt«, heißt es da. Daher solle den Anwohnern vom 9. bis zum 12. September der Aufenthalt in einem Hotel ermöglicht werden. Vorgeschlagen wird ein Vier-Sterne-Hotel an der Neuköllner Hermannstraße, das ausgerechnet »Tempelhof Airport« im Namen führt: Auf dem ehemaligen Flugfeld sollte eigentlich das Festival stattfinden. Die Nutzung der Hangars als Flüchtlingsunterkunft seit November 2015 verhindert dies allerdings. Das Hotel verfügt über 216 Zimmer, im gesamten Wohngebiet leben allerdings 2500 Menschen. »Ich werde nicht weichen«, sagt Topfstädt zu dem Angebot.

»Wir haben als Theater zunächst überlegt, wie wir etwas zusammen mit den Lollapalooza-Leuten machen können«, sagt Sigrid Schubert vom Figurentheater Grashüpfer, das direkt im Park liegt. Nach Gesprächen habe man dann einen Kostenvoranschlag geschickt. »Den hatte schließlich die für die Genehmigung zuständige Amtsleiterin vom Bezirk Treptow-Köpenick in der Hand, als ich ein Gespräch mit ihr hatte«, berichtet Schubert. Von den Lollapalooza-Organisatoren bekam das Theater schließlich ein Schreiben, »dass wir für die Zeit des Festivals die Schlüssel zu unseren Räumen in einem versiegelten Umschlag abgeben sollten«, schildert sie weiter. »Das war alles so verdreht mit den Zuständigkeiten, dass ich die Sache schließlich einem Anwalt übertragen habe.«

»Keiner hat etwas gegen das Festival an sich«, sagt der Treptower Grünen-Abgeordnete Harald Moritz. »Der Streitpunkt ist die Grünanlage. Die ist nicht geeignet.« Des Festival startet, nachdem die millionenteure und jahrelang dauernde Sanierung der Grünanlage beendet ist. »Das ist schon ein bisschen sehr merkwürdig«, sagt Moritz. Er erwartet, dass die Rasenflächen nach dem Festival wieder sanierungsbedürftig sein werden. »Damit werden die Liegewiesen diese Saison nicht mehr benutzbar sein«, befürchtet er. Das Sicherheitskonzept und die bezirkliche Genehmigung stehen nach wie vor aus.

»Das Verkehrskonzept ist auch ein Mysterium«, sagt Moritz. Vom 29. August bis zum 16. September wird eine Spur der Puschkinallee für Auf- und Abbauarbeiten gesperrt werden, am 10. und 11. September wird niemand durchfahren dürfen. »Die Kiefholzstraße als nächstgelegene Ausweichroute ist mit Baustellen gepflastert«, so Moritz.

Dann ist da noch die Sache mit den Parkplätzen. »Wenn nur fünf Prozent der Festivalbesucher mit dem Auto kommen, werden 3500 Stellplätze benötigt«, rechnet er vor. »Die gibt es hier nicht.« So richtig weiß auch der zuständige Treptow-Köpenicker Ordnungsstadtrat Michael Grunst (LINKE) nicht, was ihn erwartet. »Wir hoffen, dass der Veranstalter entsprechend auf die Besucher einwirkt«, sagt er. Natürlich würden seine Leute nötigenfalls Falschparker abschleppen lassen. »Eigentlich müsste es seit Ende 2015 genug Zeit gegeben haben, einen geeigneten Standort zu finden«, sagt Harald Moritz. Für 2017 will der Senat schon einen gefunden haben. Er sagt aber nicht, wo.

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