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Erdogans Epigonen

Roland Etzel zu Medien, Freiheiten und der Türkei

29 Verlage, 23 Radiosender, 15 Zeitschriften verboten an einem einzigen Tag - es gibt schlechte Gründe genug, warum Mittwoch, der 27. Juli, als schwarzer Tag in der türkischen Mediengeschichte vermerkt werden muss. Den Betroffenen dürfte es weit übler ergehen als jenem deutschen Fernseh-Comedian, der sich im Frühjahr flache Witzchen über die Majestät in Ankara erlaubte. Er kann Erdogans Wüten aus sicherer Entfernung, in diesem Fall Köln, verfolgen. Sie nicht.

Doch auch Köln könnte erschaudern, wenn Erdogans Fünfte Kolonne namens Union Europäisch-Türkischer Demokraten am Wochenende dort aufläuft, um das Schleifen politischer Grundfreiheiten als Errungenschaft zu feiern. Die Stadt am Rhein wie die Landesregierung vertritt den zweifelhaften Standpunkt, dies aus Gründen der Meinungsfreiheit aushalten zu müssen. Mehr können sich deren Gegner in Ankara kaum wünschen.

Nicht nur Bürger kurdischer und türkischer Provenienz, die sich den von Erdogan geforderten Unterwürfigkeitsgesten verweigern, dürften sich an die unappetitliche, weil die Opposition verhöhnende Wahlkampf-Show Erdogans von 2014 in Köln erinnert fühlen. Die damals versprochenen Lehren daraus hat niemand gezogen - nicht die Stadt, nicht das Land, nicht die Bundesregierung. Erdogans Epigonen werden es zu feiern wissen.

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