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Berlin, du bist so wunderbar anders

Unternehmensnetzwerk sucht in Clubs und auf der Straße nach Antworten auf das »Berlingefühl« / Zwölf Gebote ergeben den Berlin-Code

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ab wann ist man ein Berliner? Und woher weiß man, wann es soweit ist? Die Kampagne »Be Berlin« erstellt einen Hauptstadt-Knigge.

»Sei Herz, sei Schnauze, sei Berlin«. Seit acht Jahren sollen Berliner und solche, die es werden wollen, irgendetwas sein. Hinter das Wörtchen »sei« passt dabei eigentlich alles, und jeder kann sich darin wiederfinden: sei Straße, Laufsteg, Wirtschaft, Technologie. Besser noch funktionieren Adjektive: einzigartig, außergewöhnlich - Hauptsache Berlin.

Jetzt haben sich wieder ein paar Kreative eine Image-Kampagne für die Hauptstadt überlegt. Dieses Mal kommt sie nicht von oben, nämlich der Stadt, sondern von der Straße. So jedenfalls sieht es Alexander Wolf, Chef von »Außergewöhnlich Berlin«, einem Netzwerk von Unternehmen, Medien und Verbänden. Wolf ist Initiator der Kampagne »Like Berlin«, die zwar schon seit November läuft, aber erst im Juli offiziell startete und am Mittwoch in der Kuppel des Fernsehturms vorgestellt wurde.

Am Anfang standen Fragen. Zuerst ließ Wolf über das Club-Netzwerk Clubcommission Plakate in Bars und Tanzschuppen aushängen. Die fragten zum Beispiel nach den Grundwerten und dem guten Ton der Stadt. Die feiernden Clubbesucher machten so gut mit, dass Wolf sagt, er sei »von einem Tsunami überrollt« worden. Sein Fazit: »Häng irgendwo ein halbleeres Plakat hin, und die Berliner schmieren es voll.« Sein zweites Fazit: größer aufziehen. Wolf kooperierte mit der »Berliner Woche«, um nicht nur die Meinung der jüngeren Menschen zu hören. Dann holte er mehrere Wirtschaftsunternehmen ins Boot, darunter Air Berlin, die Ampelmann-Geschäfte, aber auch das Bikini-Haus, die Lottogesellschaft und die S-Bahn.

Insgesamt 100 000 Euro wurden bisher für die Kampagne gesammelt. »Wie bei einer ordentlichen Party: Jeder bringt was mit.« Seitdem sind die großen weißen blanken B.s mit gewichtigen Fragen wie »Was darf ein Berliner niemals tun?« in der ganzen Stadt zu sehen. Auch vor dem Fernsehturm werden Antworten eingesammelt.

Das Ziel? »Like Berlin« ist eine Wertekampagne. »Sie soll die Werte der Stadt herausfinden, definieren und bewahren«, sagt Christina Aue, Geschäftsführerin des Fernsehturms am Alexanderplatz, der Teil der Kampagne ist. Für Inhaltliches verweist sie zurück an Wolf. »Spätestens seit der WM 2006 wissen alle: Ey, Berlin ist wirklich anders. Aber niemand weiß, warum eigentlich«, sagt der. Und nun ziehe es immer mehr Menschen nach Berlin, wodurch sich die Stadt verändere. »Damit die Seele nicht kaputt geht«, müsse nun der Berlin-Code her. Der solle Neuankömmlingen ein erstes Gefühl dafür geben, was Berlin so einzigartig mache: Toleranz, Glück auch jenseits von Geld, Freundlichkeit, die sich hinter der Berliner Schnauze verstecke.

Elf »Gebote« hat Wolf bereits aus den Antworten entwickelt, eines soll noch hinzu kommen. Das zugehörige Buch »Der Berlin Code« ist bereits fertig - wenn auch noch nicht erschienen. Wolf: »Natürlich verändern sich die Werte mit der Zeit. Und das ist auch gut so.« Was also soll dieser Code? »Ja, das ist auch eine Kampagne für den Wirtschaftsstandort«, räumt Wolf ein. Merchandising-Artikel sind bereits in Planung. Darunter Bier und Kondome. Natürlich von kleinen lokalen Produzenten.

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