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Benachteiligt bei der Energiewende

Netzentgelte liegen im Osten deutlich höher als im Westen Deutschlands

  • Von Susanne Schwarz
  • Lesedauer: 2 Min.

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Ostdeutsche finden laut einer aktuellen Umfrage die Energiewende mit großer Mehrheit gut - nur mit der konkreten Umsetzung haben sie so ihre Probleme.

Zuerst die gute Nachricht: Die Mehrheit der Ostdeutschen unterstützt grundsätzlich die Energiewende. Knapp 70 Prozent sehen den ökologischen Umbau des Energiesektors im Allgemeinen positiv. Das ergibt eine neue Studie des Chemnitzer Energieunternehmens EnviaM und der Universität Leipzig.

Allerdings lässt sich die Studie auch anders lesen: Die Zustimmung zu Windrädern, Solaranlagen und Co. in den neuen Bundesländern mag hoch sein - befindet sich aber im Sinkflug. Im vergangenen Jahr schätzten noch fast 80 Prozent die Energiewende als positiv ein. »Privathaushalte und Kommunen unterstützen die Energiewende immer noch mehrheitlich, sehen die Umsetzung allerdings zunehmend kritisch«, sagte Studienleiter Oliver Rottmann von der Uni Leipzig gegenüber »neues deutschland«. Zwei Drittel der Befragten sind laut Umfrageergebnissen nicht damit zufrieden, wie der Umstieg von fossiler und atomarer auf erneuerbare Energiegewinnung erfolgt.

Besonders Privatpersonen wünschen sich mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der Kosten. »Im Osten Deutschlands ist die Energiewende deutlich weiter vorangeschritten als in den westlichen Bundesländern«, erklärte Rottmann. »Zusätzlich sind die Einkommen der Menschen im Durchschnitt geringer, wodurch Preissteigerungen eine sehr hohe Relevanz besitzen.«

Es geht dabei besonders um die Netzentgelte, mit denen sich die Betreiber Wartung, Erhaltung und Ausbau des Stromnetzes bezahlen lassen. Die Kosten fallen regional unterschiedlich aus. »In Summe sind die Netzentgelte in manchen ostdeutschen Regionen um bis zu 40 Prozent höher als in den alten Bundesländern«, sagte EnviaM-Chef Tim Hartmann gegenüber dpa. Diese »Sonderlasten auf ostdeutscher Seite« würden allerdings bisher kaum thematisiert.

Die Kommunen, so lassen sich die Studienergebnisse deuten, fühlen sich schlicht überrannt. Zwar finden auch 70 Prozent der Städte und Dörfer die Energiewende gut, sie beklagen allerdings wenig Gestaltungsspielraum.

Einige ostdeutsche Bundesländer haben auf das Bedürfnis schon reagiert. In Mecklenburg-Vorpommern müssen Anwohner und auch Gemeinden in der Nähe von Windparks künftig die Möglichkeit der finanziellen Beteiligung bekommen - entweder per Unternehmensanteil, Ausgleichsabgabe oder per günstigem Stromtarif. In Thüringen will man Bürger und Bürgerinnen sowie Kommunen jetzt durch das neue Label »Faire Windenergie« an Bord holen. Damit zeichnet die Thüringer Energie- und Greentech-Agentur (Thega) Windradbauer aus, die die Menschen vor Ort besonders gut in den Planungsprozess einbinden.

Für die Studie »Energiewelt Ost 2016« wurden insgesamt 1650 Haushalte, 155 Kommunen und 45 energieintensive Unternehmen befragt. Sie wird seit mehreren Jahren von EnviaM und der Uni Leipzig durchgeführt. Die Unternehmensgruppe beschäftigt 3500 Mitarbeiter und versorgt etwa 1,4 Millionen Kunden in Ostdeutschland mit Strom, Gas und Wärme. Anteilseigner sind Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE mit 58,6 Prozent und rund 650 ostdeutsche Kommunen mit 41,4 Prozent.

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